Vortrag zur Empfängnisverhütung

Diabetikerinnen sollten eine Schwangerschaft gut planen. Was man bei der Verhütung beachten sollte.

Bei der diesjährigen gemeinsamen Fortbildung der Klinik für Kinder und Jugendliche, des MVZ des Leopoldina Krankenhauses und unserer Selbsthilfegruppe referierte Dr. med. Elke Wiegand, Frauenärztin und Oberärztin in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Leopoldina Krankenhauses.

Thema war Schwangerschaftsverhütung bei weiblichen Jugendlichen bzw. jungen Frauen mit Typ 1-Diabetes.

Frau Dr. Wiegand sprach Grundsätzliches zur Verhütung an, stellte die unterschiedlichen Methoden im Überblick vor und ging auf die Besonderheiten bei (Typ 1-)Diabetikerinnen ein. Unter den Zuhörern befanden sich auch mehrere Ärztinnen und Ärzte.

Aus dem Vortrag und der anschließenden Diskussion möchte ich folgende wichtigen Botschaften zusammenfassen:

  • Bei einer Diabetikerin sollte eine Schwangerschaft immer nur geplant und vorbereitet eintreten.
  • Deshalb ist eine sichere Schwangerschaftsverhütung besonders wichtig.
  • Die Diabeteserkrankung nimmt Einfluss bei der Auswahl der Verhütungs-Methode.

Bei einem schlecht eingestellten Diabetes drohen für das Kind im Mutterleib schwerwiegende Folgen, z.B. von übermäßigem Wachstum über Frühgeburt bis zu Organfehlbildungen. Dr. Reinhard Koch (Pädiater und Diabetologe DDG) riet, sich sogar mind. drei Monate vor Absetzen des Verhütungsmittels um eine besonders gute Stoffwechseleinstellung zu bemühen.

Dr. Wiegand riet in diesem Zusammenhang vor Beginn der Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure zu beginnen (u.a. positiv für die Entwicklung der Nerven).

Grundsätzliches zur Verhütung

Stark zusammengefasst:: Die Verhütungsmittel müssen sicher, anwendungsfreundlich und nebenwirkungsarm sein.

Fr. Dr. Wiegand erklärte den Pearl-Index (der PI bezeichnet die Zahl der Schwangerschaften, die auf 100 Frauenjahre unter einer Verhütungsmethode eintreten) und zeigte die Methoden im Überblick auf.

Mechanische Methoden:
Hier würden die Spermien vor Erreichen der Eizelle abgefangen. Das „Kondom für die Frau“ (Femidom, Diaphragma, Portiokappe), wird zusammen mit Spermiziden verwendet und hat einen PI von ca. 6 - 20; verwendet der Mann ein Kondom schütze dieses gelichzeitig vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten - der PI liege da bei 2 - 12 (auf Gütesiegel achten!)

Chemische Methoden:
Hier würden Wirkstoffe, die Spermien abtöten (Spermizide) tief vaginal eingeführt werden (Cremes, Schaum, Zäpfchen, Spray). Alleine angewendet liege der PI zwischen 9 und 11, in Kombination mit mechanischen Verhütungsmitteln könne der PI bis auf 2 abgesenkt werden.

Hormonelle Methoden:
Neben der „Pille“ (PI 0,1 - 0,9) sprach die Referentin auch über Vaginalringe (PI 0,4 - 0,65), transdermale Systeme wie Pflaster (PI 0,7 - 0,9), Minipille (hat nur Gestagen, PI 0,5 - 3), Depotgestagene (3-Monats-Spritze, PI 0,3 - 1,4) oder die „Pille danach“ (PI 2 - 5).
„Die Pille“ sei eine Kombination aus Östrogen und Gestagen. Es werde eine Schwangerschaft „vorgetäuscht“ und der Eisprung werde unterdrückt; die Hormone wirkten immer im ganzen Körper. Die „Pille danach“ wirke durch Verschiebung des Eisprungs. Welches Präparat für welche Frau am besten geeignet ist (Zyklusstabilität, Akne, vermehrte Behaarung, Ödemneigung o.ä. schließen das eine oder andere Präparat aus), möge man mit dem Facharzt und dem Diabetologen besprechen. Grundsätzlich empfehle sie für Typ 1-Diabetikerinnen, so die Referentin, eine möglichst geringe Hormondosis, wobei Kombinations-Pillen und Monopräparate vertretbar seien. Bei Verhütung mit einer „Pille“ sei eine Insulinanpassung fast immer erforderlich; Östrogen wirke „insulinsparend“, Gestagen wirke „zuckerfreisetzend“, so Dr. Wiegand. Hormonelle Verhütung bei diabetesbedingten Folgeschäden sei ausgeschlossen.

Intrauterine Verhütung:
„Spiralen“ lägen in der Gebärmutter über maximal fünf Jahre und verhinderten die Einnistung eines Embryos. Bei einer Kupferspirale bzw. -kette sei die giftige Wirkung von Kupfer dafür verantwortlich (PI 0,9 - 3,0). Nachteil sei neben einer verstärkten Blutung auch vermehrt aufsteigende Infektionen (der Fremdkörper ermöglicht Keimen, sich bis in die Gebärmutter auszubreiten).
Eine Hormon“Spirale“ verdicke den Gebärmutterhalsschleim und der Wirkstoff versetze die Schleimhaut in Ruhezustand; eine ggf. befruchtete Eizelle kann sich nicht einnisten. Die Hormon“Spirale“ gibt weniger Hormone ab als die „Pille“ (PI 0,2 - 0,4).

Natürliche Verhütungsmethoden:
Die Referentin spricht über natürliche Verhütungsmethoden, wovon die meisten einen PI von unter 10 haben, so sie richtig angewendet würden. Die sicherste sei noch die Symptothermale Methode (Kombinaton aus Temperaturmethode und der Zervixschleim-Methode nach Billings - PI 0,3 - 0,8). Ohne Verhütung liege der PI bei 85 und bei Coitus interruptus bei 4 - 18.

Auf Frage erklärt Frau Dr. Wiegand, man setze heute die Pille nicht mehr ab (Pillenpause); Frauen ab 40 Jahren sollten sich Alternativen überlegen (evtl. Eileiterdurchtrennung o.ä.).

Die Schwangerschaft betreffend erklärt Frau Dr. Wiegand, bei Typ 1-Diabetikerinnen werde i.d.R. die Geburt drei Wochen vor dem Geburtstermin eingeleitet.

Anzeichen auf Schwangerschaftsprobleme sei z.B. ein Abfall des Insulinbedarfs während der Schwangerschaft (Problem mit Mutterkuchen!), denn die benötigte Insulinmenge falle zu Beginn der Schwangerschaft ab und steige im Verlauf ständig an; am Ende der Schwangerschaft falle der Insulinbedarf dann drastisch ab.

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs:
Die anwesenden Ärzte empfahlen dringend eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs (HPV-Impfung gegen Zervixkarzinom), der durch Viren verursacht werde. Die Impfung solle noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Frau Dr. Nellen-Helmuth wies darauf hin, dass heute bei Vorsorgeuntersuchungen und bei Kindergartenbesuch nach Impfungen gefragt werde. Kinderärzte sollten Mädels schon auf die Wichtigkeit dieser Impfung ansprechen, bevor Sexualität ein Thema sei. Eine Impfung nach dem ersten Geschlechtsverkehr sei ratsam, zumindest unschädlich, auch wenn die Wirkung in Frage gestellt sein könne. Vorsorgeuntersuchungen seien trotz Impfung wichtig.

Zusammengefasst von Norbert Mohr