Test des FreeStyle Navigator II - von Bernd Naujoks

Im Herbst 2013 hatte ich die Möglichkeit, den Freestyle Navigator II für eine Woche zu testen. Ich war schon lange auf der Suche nach einer Möglichkeit, um beim Ausdauersport meine Blutzuckerwerte genauer im Auge zu behalten. Von der Praxis Dr. Oerter in Würzburg wurde mir das Gerät zur Verfügung gestellt, angebracht und ausführlich erklärt.

Bisher habe ich gerade bei Wettkämpfen genau darauf geachtet, zu welchem Zeitpunkt ich esse, wie lange das Insulin wirkt und sowohl vor als auch nach dem Event relativ oft Messungen durchgeführt. Auf Dauer war mir das aber zu aufwendig und lästig. Messungen während des Wettkampfes sind auch eher schwierig bzw. zum Teil wegen Schweiß, Regen, etc. nicht durchführbar.

Der erste optische Eindruck des Gerätes war etwas enttäuschend. Design, Verarbeitung und Handhabung sind sehr, ich drücke es mal so aus, schlicht gehalten. Nicht weiter für die Nutzung schlimm, allerdings hätte ich in dieser Preisklasse einfach mehr erwartet.

Die Menüführung ist sehr intuitiv und man kann sehr einfach Einstellungen vornehmen, um das Gerät den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Zum Beispiel besteht die Möglichkeit verschiedene Blutzuckeralarme einzustellen oder die Zeitschiene der angezeigten Verlaufskurve zu verändern. Für die Auswertung der Daten kann man zusätzlich Insulinmenge, Mahlzeiten und Aktivitäten eingeben. Was mir etwas fehlt, ist die Möglichkeit, verschiedene Profile mit unterschiedlichen Alarmen einstellen zu können.  Zum Beispiel Alltag, Sport und Nacht würde mir die Nutzung sehr erleichtern. Des Weiteren kann man keine BE sondern nur Gramm Kohlehydrate eingeben. Auch die Eingabe der Insulindosis ist für mich als Pen-Nutzer eher umständlich, da man 0,1 IE Schritte eingeben muss und dies nicht ändern kann.

Um die Genauigkeit des Gerätes sicherzustellen, sind in gewissen Zeitabständen Kalibrierungen notwendig – insgesamt 4 Mal. Die erste Kalibrierung muss eine Stunde nach Setzen des Sensors durchgeführt werden, die zweite Messung bereits 2 Stunden später. Dank des mitgelieferten Kalibrierzeitrechners (siehe Bild) kann man das Einsetzen des Sensors sehr gut planen. Schließlich möchte man es vermeiden, dass eine der Kalibrierungen beispielsweise mitten in die Nacht fällt. Auch wenn man das Gerät nur für sportliche Aktivitäten und Wettkämpfe nutzen möchte – also nicht dauerhaft einsetzt - ist dieser gut nutzbar, da man eine gewisse Vorlaufzeit einplanen muss. Schließlich sollen die Werte bis zum Wettkampf zuverlässig sein.

Lobenswert ist die Reichweite des Sensors zum Empfänger. Diese beträgt laut Herstellerangaben 30m, so dass man das Gerät irgendwo in der Wohnung liegen lassen kann, ohne dass die Verbindung abbricht. Beim Konkurrenzprodukt von Dexcom sind dies laut Herstellerangaben nur 6m.

Den Sensor habe ich während der Testphase an der Rückseite des Oberarms getragen. Dort hat er kaum gestört und war auch mit T-Shirt kaum zu sehen. Hier besteht ein großer Unterschied zum Dexcom Gerät, das ausschließlich am Bauch getragen werden kann.

Im Alltag macht das Gerät das, was es soll - kontinuierlich den Zucker messen. Nicht allzu viel mehr, dafür mit relativ guter Genauigkeit. Allerdings muss bedacht werden, dass die angezeigten Werte ca. 10-15 Minuten alt sind. Bei einem starken Absinken oder Steigen der Werte sind die konventionell messenden Geräte die Besseren. Wenn einem das bewusst ist, funktioniert es sehr genau und zuverlässig.

Interessanter war für mich die Trendkurve beim Sport. So kann man im Vorfeld schon dafür sorgen, dass die Werte konstant auf einem gewissen Level sind, bzw. leicht steigend. Während der Aktivität kann man auch leicht ab einem gewissen Level entsprechend Kohlehydrate zu sich nehmen ohne die Gefahr einer Unterzuckerung. Auch nach dem Sport können die Werte sehr gut im Auge behalten und die Bolus und Basalrate entsprechend angepasst werden.

Die Alarme reagieren auf zweierlei Weise. Zum einen wird man gewarnt, wenn aufgrund des Trends erwartet wird, dass der Wert unter ein gewisses Level sinkt. Zum anderen, wenn der aktuelle Wert dann wirklich ein eingestelltes Level unterschritten hat. Jeder Alarm muss am Gerät bestätigt werden um ihn auszuschalten. Ansonsten kann er wirklich zu einer Plage werden. Zunächst war der Hypo-Alarm auf <80 mg/dL eingestellt. Für den alltäglichen Gebrauch ist das so erst mal OK. Allerdings meldet sich das Gerät alle 10 Minuten wieder. Dies ist leider dem Umstand zu verdanken, dass die Messwerte ein wenig hinterher hinken. Eine entsprechende Zwischenmahlzeit bei einer Hypo wird erst ca. eine halbe Stunde später vom Gerät registriert. Der Alarm wird leider auch nicht ausgesetzt, wenn man die Zwischenmahlzeit ins Gerät eingibt. Leider hat mir dieser Umstand die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet. Nachts sind meine normalen Werte immer bei ca. 80, was dazu führte, dass der Alarm ununterbrochen angegangen ist und mich aus dem Schlaf gerissen hat. Alternative war den Alarm weniger empfindlich einzustellen, was die Gefahr einer schweren Hypo mit sich bringt oder schon fast „Unmengen“ zu essen/trinken, nur damit der Alarm einen endlich schlafen lässt.

Der Preis des Gerätes ist definitiv ein großer Nachteil. Der Empfänger und der Sender kommen auf etwa 1200 Euro, jeder Sensor auf 60 Euro. Der Sender ist laut Hersteller 5 Tage zu verwenden, der nötige Austausch wird vom Gerät angewiesen. Da die Krankenkasse keinerlei Kosten für eine präventive Nutzung übernimmt, kommt hier über das Jahr einiges an Kosten zusammen. Dies muss man sich erst einmal leisten können und wollen. Da das Gerät jedoch die ein oder andere Schwachstelle aufweist, überlegt man sich schon gut, ob man sich diesen Luxus gönnen möchte.

Als abschließendes Fazit bleibt zu sagen, dass der Freestyle Navigator II ein gutes Gerät ist, das erstaunlich zuverlässig funktioniert. Leider muss man trotzdem ein paar Abstriche machen. Gerade für den hohen Preis hätte ich mir eine etwas durchdachtere Software und ein optisch ansprechenderes Design gewünscht. Deshalb würde ich es dauerhaft nicht tragen wollen. Allerdings war die Woche auch gut, um im Allgemeinen meine Einstellung und Insulindosierung zu prüfen.

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Adoleszenz und Entwicklungsstörungen beim Diabetiekr

„Pubertät und mehr – Störung des Sozialverhaltens bei Jugendlichen – ein Weg durch den Irrgarten“

Zusammen mit der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt veranstaltete unsere SHG den jährlichen Fortbildungsabend, diesmal zum Thema Diabetes bei Jugendlichen mit gestörtem Sozialverhalten.

Zur Person des Referenten:
Dr. med. Michael Meusers ist leitender Arzt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. –psychotherapie am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Er spricht über Kids ab zwölf oder dreizehn Jahren, die schwierig waren oder schwierig werden – die „etwas andere Pubertät“. Er stellt verschie-dene Diagnosen (wie etwa ADHS) und deren Einfluss auf jugendliche Typ 1-Diabetiker vor.

Pubertät und Adoleszenz

Der Referent klärt die Zuhörer erst einmal auf, über welche Entwicklung er spreche. Er werde nicht vorrangig die Pubertät in den Focus rücken, also den Vorgang, während dessen sich die Jugendlichen biologisch zum Mann bzw. zur Frau entwickeln. Er wolle über die Zeit der Adoleszenz sprechen und erklären, warum sich die Eltern während der (geistigen) Reifungsphase ihrer Kinder um den Diabetes kümmern müssen.

Durchschnittlich sei die Adoleszenz bei Frauen im Alter von 23,5 Jahren abgeschlossen bei Männern durchschnittlich erst im Alter von 25 Jahren. Vor Abschluss der Adoleszenz würden die jungen Menschen von den Gefühlen gesteuert und nicht von der Vernunft. Für die Emotionen sei wesentlich ein Teil des Gehirns zuständig, den man Striatum nennt (Anmerkung: wichtig für die Realisierung des Zusammenwirkens von Motivation, Emotion, Kognition und dem Bewegungsverhalten auf neuronaler Ebene). Der frontale Cortex (der Stirnlappen) sei für Entscheidungen zuständig – für die Vernunft; man nenne ihn auch das biographische Gedächtnis. Dieser Teil des Gehirns entwickle sich aber langsamer (Reifeasynchronie - Anmerkung: ist phasenspezifisch häufig und greift in psychogenetische Prozesse ein, ist also hauptsächlich biologisch bestimmt), sei also während der Adoleszenz noch nicht in der Lage die Steuerung zu übernehmen. So sei es nicht verwunderlich, dass sich die 15-Jährige für die Kirmes entscheide statt für das Fertigen der Hausaufgaben – der Kirmesbesuch mit den Freunden sei für die Jugendliche emotional eindeutig wertvoller.

In der emotionsgeprägten Entwicklungsphase der Adoleszenz müssten sich die Eltern also noch um den Diabetes ihrer Kinder kümmern. Aber je mehr Emotionen die Eltern selbst in die Appelle zur guten Stoffwechselführung hinein legten, desto schlechter sei es, denn dann führen die Emotionen der Kinder hoch. Jugendliche wollten nämlich chillen, d.h. möglichst wenig Emotionen haben. Dr. Meusers empfiehlt, der Umgang mit den Kindern müsse in dem Alter möglichst emotionsarm sein. Damit sei natürlich nicht Beziehungskälte gemeint, aber je weniger Emotionen bei der Erziehung in die Gespräche einflössen, desto besser klappe das. Väter beherrschten diese Methode oft besser als Mütter.

In der Shell-Studie (Anmerkung: Die Shell-Jugendstudie ist eine empirische Untersuchung der Einstellungen, Werte, Gewohnheiten und des Sozialverhaltens von Jugendlichen in Deutschland, die vom Mineralölkonzern Shell seit 1953 herausgegeben wird.) sei, so der Referent zum Trost, festgestellt worden, dass sich Kinder (bis zum Alter von 25 Jahren) wieder mehr von ihren Eltern anleiten ließen als vor 20 Jahren. Die Gruppe, bei denen es nicht gelinge, stehe meist in der Zeitung.

Zum besseren Verständnis der Vorgänge im Gehirn erklärt der Referent den Prozess einer Entscheidung: Wenn man einen Raum betrete, entscheide man sich binnen einer Sekunde, wohin man sich setzten wolle. Das Gehirn (Stammhirn) brauche 350 Millisekunden, um die Situation (freier Stuhl in der ersten Reihe, mehrere freie Stühle weiter hinten – ich setze mich in die erste Reihe) zu erkennen. In weiteren 50 Millisekunden mache das Frontalhirn von seinem „Vetorecht“ Gebrauch (ich setzte mich lieber nach hinten). Weitere 500 Millisekunden dauere es bis zum Handeln.

Jetzt kommt der Referent zu verschiedenen (genetischen) Störungen, die die Diabetesführung erschweren:

  • Störung des Sozialverhaltens: 4% der Bevölkerung hätten mehr Gefühl als andere – auch Wut. Bei einem frühen Beginn dieser Störung (vor dem zehnten Lebensjahr) halte die Wut an; eine kleine Risperidon-Gabe dämpfe die Wut (Anmerkung: Risperidon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Neuroleptika, die in der Psychiatrie primär zur Behandlung der Schizophrenie verwendet werden). Beginne die „Wut-Phase“ später, sei sie mit Abschluss der Adoleszenz vorbei. In Wut-Phasen könne es geschehen, dass sich der Diabetiker die Pumpe herausreißt und an die Wand wirft.
  • Zappelphilipp-Kinder: Etwa 5% der Kinder litten an ADHS. Bei ADHS-Kindern entfalle das „Vetorecht“ des Frontalhirns. Eine Ritalin-Gabe bewirke, dass sich die Kinder wieder steuern könnten. Der Referent erklärt, dass ADHS-ler sich oft nicht erinnern könnten, was Grund zur Beanstandung gegeben habe: So komme bspw. ein ADHS-ler von der Toilette zurück ins Klassenzimmer. Auf dem Weg zu seinem Platz haut er einem Klassenkameraden auf den Kopf. Das Schimpfen des Lehrers könne er dann oft nicht verstehen, weil er sich nicht erinnern kann, was er gemacht hat. Denn sein frontaler Cortex war nicht „eingeschaltet“. Der ADHS-ler spritze oft impulsiv und wisse hinterher nicht, warum er gespritzt hat – hier empfehle sich eine ganztägige Medikamentengabe.
  • Erlernte Störung: Etwa 2% der Kinder litten an erlernten Emotionsregulations-Störungen. In den ersten zwei Lebensjahren lernten die Kinder von ihren Eltern, wie diese ihre Gefühle kontrollieren (Anmerkung: Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation erhöhen die Gefahr einer psychischen Erkrankung sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen.).
  • Fehlende vegetative Reaktion: Ca. 1% der Bevölkerung sei mit diesem Defizit behaftet. Es fehle die „fühlende“ Empathie. Solche Menschen erlebten nicht das Leid anderer, sie bekämen bspw. beim Stehlen keinen Schweißausbruch. Solche Jugendliche hätten oft ein Faible für gefährliche Kicks (U-Bahn-Surfen o.ä.). Dieses Defizit sei nicht unbedingt negativ zu sehen, so der Referent, Armstrong hätte es bei der manuellen Landung auf dem Mond geholfen. Aber je mehr man den Jugendlichen beibringe, wie andere Menschen ticken, desto leichter falle es Jugendlichen mit fehlender vegetativer Reaktion, Straftaten zu begehen.
  • Eingeschränkte kognitive Empathie: Etwa 1% der Bevölkerung sei von Autismus betroffen. Autisten könnten sich nicht in andere hineinversetzen und bekämen es nicht hin, „abstrakt“ zu denken,  sie verstünden keine Bilder („Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“). Solche Patienten seien schwierig in der Diabetes-Schulung.
  • Begabung: Minder- oder hochbegabte Kinder neigten zu einem größeren Anteil zu Wut als normalbegabte Kinder.

Im Anschluss an den Vortrag besteht noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Freiheit für den Jugendlichen in der Therapie?
Wer seinen Diabetes gut versorge, der bekomme auch viel Freiheit. Wer seinen Diabetes schlecht versorge, der bekomme seine Freiheiten beschnitten.

Kann mein Sohn alleine mit einer Jugendgruppe wegfahren?
Hier könnte die Lösung darin bestehen, dass der Sohn beweise, dass er seinen Diabetes eine (oder zwei) Wochen alleine gut versorgen kann. Dann müssten sich die Eltern in dieser Zeit aber auch komplett heraushalten. Schaffe er das, könne er auch alleine wegfahren.

Welchen Ansporn kann ich geben, dass sich mein Kind häufiger misst?
Man könne die Simpsons streichen oder das Taschengeld anteilig kürzen und das entgangene Geld z.B. in eine durchsichtige Spardose geben. Der Ansporn könne durchaus spielerisch sein, aber die Regeln müssten eingehalten werden. Im Übrigen würden Jugendliche „miese“ Botschaften eher vergessen als „freundliche“. Er, so Dr. Meusers, bevorzuge das „Belohnungsmodell“. Der Jugendliche wisse, dass er eine Belohnung bekomme, wenn er etwas tue. Falls er es nicht tue, dürfe aber nicht geschimpft werden (Emotionen möglichst vermeiden!) – lediglich die Belohnung entfalle.

Das Belohnungsmodell, so der Referent und Dr. Koch einvernehmlich, greife auch bei der oft heiß begehrten Unbedenklichkeitserklärung des Diabetologen für den Erwerb der Fahrerlaubnis. Der Jugendliche müsse in Vorleistung treten, also seinen Diabetes gut managen, dann bekomme er auch die begehrte Bescheinigung.

gez. für die Zusammenfassung

N. Mohr, Vors. SHG

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Diabetische Ketoazidose - Erkennen - Behandeln - Vorbeugen

Dr. Reinhard Koch referierte im Juni 2012 im Rahmen der jährlichen Vortragsreihe in der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt zum Thema „Ketoazidose“  (Stoffwechselübersäuerung = Azidose).  An drei Beispielen aus der klinischen Praxis verdeutlichte er die Gefährlichkeit einer solchen Stoffwechselentgleisung.

An die Ketoazidose denken, sei der Beginn der Therapie, so Dr. Koch. Man müsse insbesondere an eine beginnende Ketoazidose denken:

  • wenn der Blutzuckerwert über mehrere Stunden über 250 mg% oder 14 mmol/l liegt;
  • wenn der Blutzucker nicht auf einen Korrekturbolus reagiert;
  • wenn das Kind auffälligen Durst hat;
  • wenn das Kind bei erhöhten Blutzuckerwerten über Bauchschmerzen und Übelkeit klagt;
  • wenn Acetongeruch in der Atemluft oder Aceton im Blut oder Urin festgestellt wird;
  • prinzipiell, wenn das Kind krank ist.

Angestrengte und vertiefte Atmung, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gleichgültigkeit, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit, Koma seien letztendlich deutliche Indizien für das Vorliegen einer Ketoazidose.

Eine Zusammenfassung des gesamten Vortrages finden Sie als pdf-Dokument hier.

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Kontinuierliches Glukosemonitoring

Dr. med. Joachim Harlos sprach am 09.06.11 bei der gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina KH und unserer SHG über den diagnostischen Wert von Langzeitglukosemessung. Er erläuterte Möglichkeiten und Grenzen der Langzeitglukosemessung und stellte die derzeit auf dem Markt befindlichen Systeme vor.

 

 

Kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) könne, so Harlos,

  • wertvolle Informationen zwischen den Blutzuckermessungen geben,
  • bis zu 288 aktuelle Sensor-Glukosewerte in 24 Stunden anzeigen,
  • aktuelle Trends der Sensor-Glukose durch Trendpfeile anzeigen,
  • beim Verlassen eines Zielbereichs Alarmmeldungen bei zu hoher oder zu niedriger Sensor-Glukose geben,
  • durch die Anzeige des Glukoseverlaufs der letzen Stunden einen Einblick über Auswirkungen von z.B. Nahrung, Insulin oder körperl. Anstrengung geben.

CGM könne aber nicht

  • die Blutzuckermessung ersetzen,
  • immer identische Blutzucker– und Sensor-Glukosewerte anzeigen,
  • automatisch vor zu hohen oder zu niedrigen Glukosewerten schützen (- die Anwender müssen auf die Informationen des CMG angemessen reagieren!),
  • den Anwendern die Beschäftigung mit ihrem Diabetes abnehmen (- sie müssen sich nach wie vor intensiv um die Qualität ihrer Diabeteseinstellung kümmern!).

Das CGM bringe für den Patienten nur etwas, wenn er es dauerhaft anwende. Der Kosten-Nutzen-Vergleich spreche nicht für eine flächendeckende Anwendung, insbesondere wegen der Fehlerquote (Mensch).

Dr. Harlos sieht das CGM als Zwischenschritt zum Closed Loop System und derzeit als hilfreichen Beitrag bei der Diagnostik in Einzelfällen.

Die Gesetzlichen Krankenkassen genehmigten den Einsatz des CGM nur im Einzelfall, so Harlos. Falls die Kasse den Einsatz des CGM nicht genehmige, so böte die Praxis Harlos es den Patienten auch als „IGeL“ (= individuelle Gesundheitsleistung) an. Für die sechstägige Anwendung würden dem Patienten 110 EUR berechnet, alleine der Sensor koste übrigens knapp 60 EUR!

Anwenderzielgruppen sind insbesondere Patienten mit häufigen Entgleisungen und mit Hypo-Wahrnehmungs-störungen. Auch der zeitweise Einsatz während der Schwangerschaft macht im Einzelfall Sinn.

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Impfung gegen Typ 1-Diabetes?

Eine Behandlung kann Kinder mit einem sehr hohen Diabetesrisiko möglicherweise vor Typ-1-Diabetes schützen.

Auf Empfehlung von unserem Diabetologen Dr. med. Reinhard Koch geben wir diese Info auf diesem Weg weiter.

Worum geht es bei der Pre-Point-Studie?

Pre-POINT ist die erste Studie, die eine Art Impfung zur Verhinderung von Autoimmunität und Typ-1-Diabetes anbietet. Dabei soll eine vorbeugende Behandlung mit Insulin bei Kindern mit sehr hohem Diabetesrisiko bereits die Entwicklung von Diabetes-Autoantikörpern verhindern. Das Ziel der Pre-POINT-Studie ist, die am besten geeignete Dosis des Insulins zu bestimmen.

Während der Studie wird Insulin täglich als Pulver über den Mund aufgenommen. Es dient nicht zur Senkung des Blutzuckers, sondern soll, wie eine Schutzimpfung, das Immunsystem beeinflussen. Voruntersuchungen in den USA haben gezeigt, dass es einen solchen schützenden Effekt auf das Immunsystem gibt.

Wie lange dauert die Studie?

Die Behandlung im Rahmen der Pre-POINT-Studie dauert bis zu 18 Monate. Kinder, die erst nach Beginn der Studie hinzukommen, werden entsprechend kürzer daran teilnehmen (mindestens 3 bis maximal 18 Monate).

Nach Abschluss der Pre-POINT-Studie wird die POINT-Studie folgen. Sie wird über einen längeren Zeitraum den schützenden Einfluss einer Insulinimpfung auf die Entstehung von Diabetes untersuchen und ob der Diabetes durch die Behandlung längerfristig verhindert werden kann. Die Teilnehmer der Pre-POINT-Studie können auf Wunsch auch an dieser Nachfolgestudie teilnehmen.

Wer kann an der Studie teilnehmen?

Kinder zwischen 18 Monaten und 7 Jahren, die ein sehr hohes Diabetesrisiko von bis zu 50% haben, können an Pre-POINT teilnehmen, solange Sie noch keine Diabetes-Autoantikörper aufweisen. Ein sehr hohes Risiko besteht bei Kindern, die einen oder mehrere Verwandte mit Typ-1-Diabetes haben und selbst bestimmte Vererbungsmerkmale aufweisen, die mit dem Typ-1-Diabetes in Verbindung stehen (Diabetes-Risikogene).

Wo wird Pre-Point durchgeführt?

Pre-POINT ist eine internationale Studie. Der Studienleiter ist Prof. Dr. Ezio Bonifacio vom Zentrum für Regenerative Therapien der Technischen Universität Dresden (CRTD). In Deutschland wird die Studie am Institut für Diabetesforschung in München unter der Leitung von Prof. Dr. med. Anette-G. Ziegler durchgeführt, in Österreich  von Prof. Dr. Edith Schober von der Universitätskinderklinik in Wien. Neben diesen beiden Zentren gibt es auch Studienzentren in Großbritannien, Kanada und den USA.

Wie kann man teilnehmen?

- Drucken Sie die Broschüre im Internet aus (http://www.diabetes-point.org) und senden den ausgefüllten und abgetrennten Fragebogen (weißer Abschnitt rechts) an die auf dem Flyer abgedruckte Adresse.

- Senden Sie eine E-Mail an prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

oder

- rufen Sie an unter: 0800 / 3383339 (gebührenfrei aus dem deutschen Festnetz)

Weitere Informationen im Internet unter: www.diabetes-point.org

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DPV im Leopoldina KH Schweinfurt

Dr. Reinhard Koch, ltd. Oberarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt, stellt anlässlich der jährlichen gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung unserer SHG und der Kinderklinik die DPV-Auswertung des Jahres 2009 vor. DPV steht für Diabetes Patienten Verlaufsdokumentation – ein Programm zur strukturierten und prospektiven Erfassung und Auswertung von Patientendaten im Bereich der Kinderdiabetologie in Deutschland und Österreich. 2009 beteiligten sich 202 Einrichtungen. Die Kinderklinik des Leopoldina ist eine davon. Sie trägt mit der anonymisierten Eingabe von 100 Patientendaten dazu bei, dass 25.000 Datensätze statistisch ausgewertet werden können. Darüber hinaus ermöglicht der Vergleich der Schweinfurter Daten mit dem Rest eine Posi-tionsbestimmung im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit und die Qualität der Klinik, zeigt aber auch Felder auf, in denen Handlungsbedarf bestehen könnte (z.B. stationäre Verweildauer, Angebot von Fortbildungsmaßnahmen, Vollständigkeit von Kontrolluntersuchungen u.a.).

Exemplarisch werden hier interessante Ergebnisse wiedergegeben werden. Die Zahlen stellen den Durchschnittswert der Patienten der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leo KH dar, die Zahlen in Klammern geben den durchschnittlichen Wert aus allen an der DPV teilnehmenden medizinischen Einrichtungen wieder. So betreut die Kinderklinik des Leo 97 Typ 1-Diabetiker (81), die Entfernung zwischen Wohnort und Klinik beträgt 21 km (13,7) und das Durchschnittsalter der Patienten beträgt 13,3 Jahre (12,8).

Im Gesamtranking liegt die Schweinfurter Klinik deutlich über dem Durchschnitt im „grünen Bereich“. Wir bzw. unsere Kinder sind im Leo also gut aufgehoben. Insbesondere der hohe Grad der Vollständigkeit der Diagnostik und die damit verbundene Früherkennung bzw. Vermeidung von Spätschäden sollte uns in dieser Meinung bestärken.

PDF-Dokument zum Downloaden hier.

 

 

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Verhütung bei Diabetes

Die gemeinsame Fortbildung der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses und unserer Selbsthilfegruppe im Juni 2010 hatte diesmal das Thema „Schwangerschaftsverhütung bei weiblichen Jugendlichen und Frauen mit Typ 1-Diabetes. Dr. Reinhard Koch hatte die leitende Oberärztin der Frauenklinik, Frau Dr. Gisela Heinrich, als Referentin gewinnen können.
Nach Grundzügen der Sexualkunde stellt Dr. Heinrich die allgemein bekannten Verhütungsmethoden vor. Vor der Erstanwendung der Pille sei eine frauenärztliche Untersuchung (incl. HbA1c-Wert) unverzichtbar. Frau Dr. Heinrich rät auch zu einer Kontrolle nach vier bis sechs Monaten.
Bei Typ 1-Diabetikerinnen stünde neben der Sicherheit (guter Pearl-Index) eine gute Verträglichkeit im Vordergrund. Deshalb, so Dr. Heinrich, seien nicht alle Verhütungsmittel bei Diabetikern die erste Wahl. 
Frau Dr. Heinrich empfiehlt für Diabetikerinnen moderne Kombinationspräparate mit neuen Gelbkörperhormonen und niedrig dosierten Östrogenen (< 0,05 mg), sog. Einphasenpräparate (gleichbleibende Hormonmenge) sollten bevorzugt werden. Die Pille zeige nahezu keinen Effekt auf den Insulinbedarf und biete die Chance, den Zyklus bei Bedarf zu verlängern oder zu verkürzen (vorzeitiges Unterbrechen der Einnahme oder Einnahme ohne Pause bis etwa zu einem Jahr). Nachteile der Pille seien, dass sie keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten biete und dass bei Einnahmefehlern oder zusätzlicher Medikamenteneinnahme (z.B. Antibiotika) das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft erhöht sei. Günstige „Nebenwirkungen“ der Pille seien, so Dr. Heinrich, dass sie Zyklusunregelmäßigkeiten und Menstruationsbeschwerden lindere. Außerdem würde die Zystenbildung in Brust und Eierstöcken verhindert und das Risiko für Eileiterentzündungen und Gebärmutter- und Eierstockkrebs verringert. Zusätzlich sei ein positiver Einfluss auf die Knochendichte zu verzeichnen. Es bestünde keine Beeinträchtigung auf die Fruchtbarkeit bei Absetzen der Pille -  im Gegenteil, man beobachte, dass Frauen nach Absetzen der Pille meist recht schnell schwanger würden. Die Nebenwirkungen seien allgemein recht gering. Zu Beginn der Einnahme käme es aber schon gelegentlich zu Brustspannen, Übelkeit oder Stimmungsschwankungen. Hin und wieder seien Wassereinlagerungen zu beobachten und das Thrombose- und Embolierisiko sei leicht erhöht – insbesondere bei zusätzlichen Risikofaktoren wie Faktor-V-Leiden, Übergewicht, Rauchen, Bluthochdruck oder bei langen Flugreisen oder Operationen.
Aber auch moderne Gestagenspiralen (Mirena-Hormonspirale) seien bei Diabetes problemlos anwendbar, so Dr. Heinrich. Wegen des geringen Hormonspiegels bestünde kein negativer Einfluss auf den Stoffwechsel. Diese „Hormonspirale“ entspräche quasi einer Minipille in der Gebärmutter. „Mirena“ könne durchaus drei bis fünf Jahre getragen werden.
Die Drei-Monats-Spritze oder entsprechende Implantate bezeichnete Dr. Heinrich als zweite Wahl, insbesondere weil diese Präparate mit höheren Hormondosen arbeiteten und auf den ganzen Körper wirkten (im Gegensatz zur Hormonspirale, die nur lokal wirke). 
Auf Frage bestätigt Frau Dr. Heinrich, dass eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs unbedingt zu empfehlen sei, und zwar vor sexueller Aktivität. Frau Dr. Heinrich empfiehlt, Mädchen schon ab dem zehnten Lebensjahr impfen zu lassen. Nebenwirkungen seien noch nicht nachgewiesen worden.
Dr. Koch ergänzt, dass eine Stoffwechseloptimierung vor Eintritt der Schwangerschaft unbedingt erforderlich sei. Dadurch könne das Fehlbildungsrisiko, das während der ersten sechs bis acht Wochen besonders bestehe, deutlich minimiert werden. Um Fehlbildungen zu vermeiden, so Dr. Koch, sollten Frauen, die schwanger werden wollen, auch vorsorglich Folsäure einnehme.


Ausführlicher Bericht als PDF-Dokument zum downloaden hier.

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Diabetesschulungszentrum für Kinder und Jugendliche am Leo KH

Das "Kernteam" (von links): Sr. Andrea Büttner, Kinderarzt Dominik Schmidt, Dipl.Soz.Päd. Birgit Hahn, Sr. Maria Roth, Sr. Anja Gebhardt und Ltd. Oberarzt Dr. med. Reinhard Koch

Seit Februar 2009 hat die Deutsche Diabetesgesellschaft die Qualität und die Arbeit des Diabetesteams der Kinderklinik gewürdigt und die Anerkennung als „Schulungs– und Behandlungseinrichtung für Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes (Stufe 1)“ ausgesprochen. Die Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses ist damit das einzige Kompetenzzentrum in Unterfranken.
Die Kinderklinik im Leo hat schon lange einen guten Ruf, was die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes anbelangt. Unter dem damalige Chefarzt Dr. med. Heinrich Giesen fing die systematische Betreuung von Kindern mit Diabetes an. Er war die treibende  für die Gründung unserer Selbsthilfegruppe. Leitender Oberarzt Dr. med. Reinhard Koch hat die Arbeit konsequent weiterentwickelt und es bis heute unter Chefarzt Dr. med. Johannes Herrmann geschafft, diese Anerkennung zu erlangen.
In der Kinderklinik ist zusätzlich zur stationären Behandlung und Schulung auch die überaus wichtige ambulante Langzeitbetreuung möglich.
Das von Dr. Koch geführte Team besteht aus drei Diabetesberaterinnen, drei Kinderkrankenschwestern, einer Dipl. Sozialpädagogin, einer Erzieherin, einer Physiotherapeutin, einer Ärztin für Kinderheilkunde und psychotherapeutischen Medizin sowie zwei Kinderärzten in Ausbildung - alle speziell auf Diabetes Typ I im Kindes– und Jugendalter geschult.
Derzeit kümmert sich das Kompetenzteam um 75 Diabetespatienten. Außerdem hält es Kontakt zu niedergelassenen Diabetologen, Kinder– und Hausärzten. Als wichtig wird sowohl von Seiten der Kinderklinik als auch von Seiten unserer Selbsthilfegruppe die hervorragende Kooperation betrachtet.
Weitere Arbeitsfelder für das Kompetenzteam sind Aufklärung in Kindergärten, Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe, wobei unsere SHG bei der Finanzierung dieser Projekte einspringt, ebenso bei Hausbesuchen durch die Diabetesberaterinnen.

Herzlichen Glückwunsch für die Zertifizierung und im Namen aller Betroffenen vielen Dank für das Engagement!

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19.06.2008

Das Dawn-Phänomen - Vortrag am 18.06.09

(Dr. med. Reinhard Koch)

Im Rahmen der gemeinsamen Fortbildung unserer SHG und der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt am 18.06.09 im Leopoldina Krankenhaus sprach der Diabetologe und Ltd. Oberarzt Dr. Reinhard Koch zum Thema „Dawn-Phänomen“. Die Anwesenheit von über 80 Zuhörern bestätigte die Aktualität dieses Themas.

Als Dawn-Phänomen bzw. „Morgendämmerungsphänomen“ bezeichne man den morgendlich erhöhten Blutzucker bei Typ 1-Diabetikern bzw. den Anstieg des Insulinbedarfs zwischen 03.00 und 08.00 Uhr, so Dr. Koch, ohne dass eine Unterzuckerung in der Nacht vorausgegangen sei.

Dem Anstieg des Blutzuckers zwischen Mitternacht und 08.00 Uhr um meist mehr als 100 mg% liege eine verstärkte Ausschüttung von Cortisol und Wachstumshormonen zugrunde. Dies sei verbunden mit einem Anstieg der Zuckerneubildung aus der Leber. Die Ausschüttung von Cortisol folge einem konstanten täglichen Rhythmus und sei in den frühen Morgenstunden besonders ausgeprägt („Wachmacherhormon“). Cortisol erhöhe den Blutzucker und wirke dadurch kontra-insulinär.

Um sich Klarheit zu verschaffen, was die Ursache für erhöhte Nüchternblutzuckerwerte am Morgen ist, sei ein Nachtprofil zu erstellen. So werde während des Aufenthalts in der Klinik zum Abendessen und spätabends gemessen. Anhand der Ergebnisse könne der BE- und Korrekturfaktor überprüft und gegebenenfalls berichtigt werden. Die Messung um Mitternacht liefere den Ausgangswert für den Nüchternblutzucker in der Nacht. Die Messung zwischen 02.00 und 03.00 Uhr (Hypo-, Normo- oder Hyperglykämie?) und dann um 07.00 Uhr gäben Gewissheit, ob es sich um den Somogyi-Effekt (hoher Blutzucker nach Unterzuckerung), ein Dawn-Phänomen oder um einen Insulinmangel handelt.

Therapiemöglichkeiten des Dawn-Phänomens

  • Möglichst späte (23.00 Uhr) bzw. frühe (06.00 Uhr) NPH-Insulin-Gabe
  • Umstellung auf eine BasalinsulinanalogaGabe mit Glargin (Lantus) oder Detemir (Levemir)
  • beste Möglichkeit zur Zeit ist die Insulinpumpenbehandlung (kontrollierte Studien, die dies beweisen, gibt es dazu nicht)

Das komplette Protokoll (als pdf.-Dokument) mit Grafiken über diesen Link: Protokoll

 

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19.06.2008

Schlechte HbA1c-Werte - 11,0% und mehr?

(Dr. Reinhard Koch)

Am Abend des Viertelfinalspiels Deutschland gegen Portugal fanden sich knapp 80 Zuhörer beim Vortrag Dr. med. Reinhard Kochs im Leopoldina Krankenhaus Schweinfurt ein. Der Diabetologe und leitende Oberarzt der Kinderklinik äußerte sich auch zu diesem heiklen Thema: Schlechte HbA1c-Werte - 11,0% und mehr?

Dr. Koch berichtet, dass das Betreuungskonzept für Diabetiker in den letzten Jahren zunehmend verbessert worden sei (Zentren, Diabetologen, Schulungen, Selbsthilfegruppen etc.). Das bewirke neben einer verbesserten subjektiven Lebensqualität auch bessere HbA1c-Werte bei vielen Patienten. Dennoch gebe es Patienten mit schlechten HbA1c-Werten.

Kriterien seien:

  • HbA1c-Werte im ersten Jahr einmalig > 11%
  • mehr als eine Ketoazidose/Jahr
  • HbA1c-Werte länger als 6 Monate >10% (bei Kindern bis 12 Jahren)
  • HbA1c-Werte länger als 6 Monate >11% (bei Patienten ab 12 Jahren)
  • mehr als drei Sprechstundentermine nicht eingehalten oder
  • Patienten unter 14 Jahren kommen ohne Eltern in die Sprechstunde.

In solchen Fällen sei das weitere Vorgehen die Vereinbarung eines Gesprächstermins mit den Eltern, dem Patienten und dem Diabetesteam. Eine klare Problemdefinierung (Schlechter HbA1c, keine Kontrollen durch die Eltern, Begleiterkrankungen wie ADHS, Störung des Sozialverhaltens) sei erforderlich und es müsse Ursachenforschung (Intellektuelles Problem, Vortäuschung falscher Werte, Schulungsdefizite, fehlende Regeln, psychische Probleme, gestörte Interaktion Mutter-Vater) betrieben werden.

Zielsetzungen müssten in solchen Fällen schriftlich vereinbart und Hilfsangebote auf den Weg gebracht werden. Kurzfristige Folgetermine zur Erfolgskontrolle müssten anberaumt werden. Bei Nichterfüllen des Hilfeplanes bestünde eine Gefährdung des Kindeswohles mit frühem Eintreten von diabetischen Spätschäden. In der Konsequenz werde diese Gefährdung dem Jugendamt mitzuteilen sein ( z.B. Einsatz einer Familienhilfe, im schlimmsten Fall Herausnahme des Kindes aus der Familie). Kinder und Jugendliche, die in Ihren Familien (unabhängig vom sozialen Status) keine klaren Grenzen und Regeln hätten und solche, die keine oder schlechte familiäre Verhältnisse hätten und mit der Therapie überfordert seien, bräuchten in Zukunft besondere Betreuung durch die Diabetesteams und Selbsthilfegruppen.

Eine Möglichkeit mit präventivem Charakter könnte die mehrmalige ambulante Nachsorge von Risikofamilien zu hause, direkt nach der Entlassung bei der Erstmanifestation, durch eine betreuende Krankenschwester aus der Klinik sein, so Koch. Die Kostenfrage sei aber nicht geklärt.

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19.06.2008

Remmissionsverlängerung durch Immunmodulation

Foto Dr. Roland Koch

(Dr. Reinhard Koch)

Am Abend des Viertelfinalspiels Deutschland gegen Portugal fanden sich knapp 80 Zuhörer beim Vortrag Dr. med. Reinhard Kochs im Leopoldina Krankenhaus Schweinfurt ein. Der Diabetologe und leitende Oberarzt der Kinderklinik hatte ein spannendes Thema vorbereitet: Verlängerung der Remission durch Immunmodulation

Bei der Ersterkrankung mit Diabetes mellitus Typ-1 hätten die Insulin produzierenden ß-Zellen noch eine Restfunktion von 15 bis 20%. Durch die zusätzliche Insulingabe und die Optimierung der Blutzuckereinstellung erholten sich die ß-Zellen so gut, dass der Patient fast kein Insulin mehr spritzen müsse. Die Erhaltung der ß-Zellfunktion sorge für geringere Blutzuckerschwankungen und eine bessere Lebensqualität. Außerdem würden die Anzahl der Unterzuckerungen und die Häufigkeit von Spätkomplikationen reduziert. Eine Verlängerung der Remissionsphase sei also unbedingt wünschenswert.

Dr. Koch stellt eine schwedische Studie vor, die das Ergebnis einer Impfung nach Manifestation des Diabetes beschreibt. Der Impfstoff besteht aus Antikörpern, die die Arbeit bestimmter, für die Zerstörung der ß-Zellen verantwortlicher weißer Blutkörperchen behindern und bewirken, dass die Zerstörung der ß-Zellen aufgehalten wird. Nach anfänglichen Nebenwirkungen hätten die Patienten zuletzt das Medikament gut vertragen und die Wirkung habe nach 15 bis 21 Monaten noch angehalten. In internationalen Studien müsse das Medikament nun getestet werden.

Vision: Impfung vor Ausbruch des Diabetes!

Protokoll des kompletten Vortrags als pdf-File hier.

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03.01.2008

Ermächtigungsambulanz am Leo KH für Dr. Reinhard Koch

Seit Jahren hat er sich darum bemüht. Dr. med. Reinhard Koch, Diabetologe und Ltd. Oberarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses, darf jetzt im Rahmen seiner Ermächtigungsambulanz für Typ 1-Diabetiker Kinder und Jugendliche mit Typ 1-Diabetes behandeln. Die Ermächtigung ist auf 75 Patienten im Quartal beschränkt und darf nur erfolgen, wenn eine Überweisung durch den Haus- bzw. Kinderarzt oder einen Internisten vorliegt. Dr. Koch ist dabei auch verpflichtet, seine Patienten in ein DMP einzuschreiben. Für Kinder mit Diabetes bzw. für deren Eltern ist jetzt quasi rund um die Uhr ein diabetologisch erfahrener Kinderarzt erreichbar. Dr. Koch will den Schwerpunkt der ambulanten Behandlung auf zwei Nachmittage legen.

Vor 15 Jahren noch war Dr. Helmut Hasche (Bad Kissingen) der einzige niedergelassene Diabetologe in der Region Main-Rhön. Die Schwerpunktpraxen in Unterfranken konnte man an einer Hand abzählen. Wir mussten mit unseren Kindern entweder weit fahren oder sie stationär aufnehmen lassen.

Unsere Gruppe hatte sich deshalb schon immer einen diabetologisch besonders qualifizierten Kinderarzt zur ambulanten Behandlung gewünscht, am besten einen niedergelassenen.

Zusammen mit den inzwischen vier diabetologischen Schwerpunktpraxen in Schweinfurt, den anderen niedergelassenen Ärzten mit Zusatzausbildung zum Diabetologen DDG, dem Diabeteszentrum der Klinik für Innere Erkrankungen im Leo und der Ermächtigungsambulanz Dr. Kochs (speziell für Kinder) ist heute eine optimale Versorgung der Diabetiker in und um Schweinfurt gewährleistet.

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14.06.2007

Diabetische Neuropathie

(Chefarzt Dr. med. Johannes Mühler)

Zunächst erklärt Dr. Mühler den Begriff "Polyneuropathie", den Fachausdruck für Viel-Nerven-Leiden, der sich aus der Verbindung der Wörter "polys" (viel), "neuron" (Nerv) und "pathein" (leiden) zusammensetzt.

Dr. Mühler erläutert die unterschiedlichen Nervensysteme, den Aufbau und die Funktion der Nervenzellen.

Von den geklärten Ursachen einer Polyneuropathie liege der Diabetes einer Untersuchung zur  Folge mit ca. 34 Prozent an der Spitze, gefolgt von Alkoholmissbrauch mit 11 Prozent, bei 22 Prozent der Fälle habe die Ursache nicht geklärt werden können.

Ca. 30 Prozent der Diabetiker entwickelten eine Polyneuropathie. Je älter die Patienten seien und je länger die Diabeteserkrankung bestehe, desto höher werde das Risiko, an einer Polyneuropathie zu erkranken. In ca. 50 Prozent der Fälle könne neben einer peripheren Neuropathie auch eine autonome Neuropathie (Erkrankung eines bestimmten Organs) diagnostiziert werden.

Ab einem gewissen Stadium sei die Neuropathie nicht mehr heilbar. Es sei deshalb wichtig, möglichst frühzeitig in die Behandlung einzusteigen.

Die Schädigung der Nerven beginne schleichend, ohne dass die Betroffenen es bemerkten. Seien Nerven des peripheren Nervensystems geschädigt, seien am häufigsten die Füße oder die Beine in ihrem Empfinden beeinträchtigt. Die Beschwerden reichten von Kribbeln wie man es von eingeschlafenen Gliedmaßen her kenne bis hin zu starken stechenden oder brennenden Schmerzen. In Ruhe seien die Beschwerden am größten. In seltenen Fällen seien auch Arme oder Hände betroffen.

Besonders gefährlich bei der peripheren Polyneuropathie sei die abgeschwächte oder fehlende Empfindung in den Gliedmaßen. Denn Schmerz schütze den Körper vor schweren Verletzungen. Verletzungen würden nicht bemerkt. Darüber hinaus werde die Haut an den Fußsohlen oftmals trocken, weil die Schweißbildung fehle oder herabgesetzt sei. Durch das trockene Milieu entstünden Risse in der Haut. Bakterien könnten sich dort ablagern und zu schweren Entzündungen führen. In schlimmen Fällen könne sich ein "diabetischer Fuß" entwickeln, bei dem Nerven beispielsweise durch die Bildung von Geschwüren mangelversorgt seien. Unter Umständen könne eine Amputation der Gliedmaße notwendig werden.

In der Regel trete eine periphere Polyneuropathie symmetrisch auf. Beispielsweise seien dann der linke und der rechte Fuß gleichermaßen von der Polyneuropathie betroffen. Typisch sei auch, dass die am weitesten vom Rumpf gelegenen Nerven geschädigt würden. Der Ausfall von Nerven könne zum Funktionsverlust einzelner Muskeln oder sogar ganzer Muskelgruppen führen. Lähmungen könnten die Folge sein. Jeder erdenkliche Körperbereich könne betroffen sein. So könne es zu Sehstörungen wie Doppelbilder kommen, weil der die Augenmuskeln versorgende Nerv lädiert sei.

Als Therapie gelte für alle Formen und Stadien der Neuropath

  • Optimierung der Diabeteseinstellung
  • Blutdrucknormalisierung (ist vor allem zum Schutz der kleinen Gefäße wichtig)
  • Patientenschulung
  • Änderung der Lebensgewohnheiten.

Zentral wichtig sei, so Dr. Mühler, dass man sich bewege, auch wenn es zunächst schwer falle!

Dr. Reinhart Koch, leitender Oberarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt wirft ein, dass die Kinder und Jugendlichen von Neuropathien i.d.R. nicht betroffen seien, da sie gut geschult seien und durchwegs gute Blutzuckereinstellungen hätten. Der regelmäßige Gang zum Arzt helfe auch, frühzeitig beginnende Spätschäden erkennen zu können. Retinopathien, Nephropathien und Neuropathien seien reversibel, d.h. sie könnten geheilt werden so man sie frühzeitig erkenne.

Im Anschluss an den Vortrag stellt sich Chefarzt Dr. Mühler den Fragen der Zuhörer.

Ein ausführliches Protokoll es Vortrages mit Graphiken ist hier als pdf-file eingestellt.

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25.12.2006

Prävalenz anderer Stoffwechselerkrankungen bei Diabetes

(Dr. Reinhard Koch)

Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe fragen, ob bei Diabetikern zusätzliche Erkrankungen häufiger auftreten als bei Nichtdiabetikern. Insbesondere wird dabei nach Zöliakie oder nach Schilddrüsenerkrankungen gefragt. Eine weitere Frage geht in Richtung Früherkennung.

Dr. med. Reinhard Koch, Diabetologe DDG und Oberarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt antwortet:
Zöliakie und Schilddrüsenerkrankungen treten bei Diabetikern tatsächlich häufiger auf als bei der gesunden Bevölkerung.

Zöliakie

Bei Kindern heißt die Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß Gluten, das Bestandteil vieler Getreidesorten (Weizen, Roggen, Grünkern, Hafer) ist, Zöliakie. Bei erkrankten Erwachsenen wird sie als Sprue bezeichnet. 70% der Betroffenen sind Frauen. Zöliakie bzw. Sprue wird nicht vererbt, wohl aber die Anlage dazu. Man spricht von einer genetischen Disposition.
Die Prävalenz der Zöliakie (Häufigkeit aller Fälle einer bestimmten Erkrankung in einer Bevölkerung zum Zeitpunkt der Untersuchung) liegt bei der gesunden Bevölkerung bei ca. 0,4% (mit und ohne Beschwerden). Bei Typ 1-Diabetikern liegt die Prävalenz in der Literatur zwischen 1% und 6,4%. die beiden mir vorliegenden Arbeiten von 1998 und 2004 berichten von einer gesicherten Häufigkeit von 2,4%.

Schilddrüsenerkrankung

Die Schilddrüsenerkrankung, die vor allem im Zusammenhang mit Diabetes mellitus Typ 1 auftreten kann, ist die Autoimmungthyreoiditis (AIT). Diese Erkrankung ist die häufigste Autoimmungerkrankung des Menschen überhaupt. Sie wird auch als Hashimoto Thyreoiditis bezeichnet.
Die Prävalenz wird mit bis zu 10% angegeben und ist deutlich höher als bei der Zöliakie. Die 10% beziehen sich auf Erwachsene. Auch hier sind Frauen viel häufiger betroffen als Männer. Bei amerikanischen Schülern von 11 bis 18 jahren ergab sich eine Häufigkeit von 1,2% ind der Normalbevölkerung.
Zahlen über die Koinzidenz (das gleichzeitige Auftreten) Diabetes mellitus Typ 1 und Autoimmungthyreoiditis: Vor dem dem 4. Lebensjahr ist die Erkrankung selten. Bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 liegt die Häufigkeit zwischen 15 und 20 Prozent! Hierbei werden die unterschiedlichen Schweregrade der Erkrankung mit normalen, erniedrigten oder vorübergehend erhöhten Schilddrüsenwerten nicht differenziert.

Früherkennung

Mein Standard in unserer Klinik ist bei Erstmanifestation und alle zwei Jahre die Bestimmung der Zöliakieantikörper, der Schilddrüsenwerte und deren Antikörper, der Nierenwert Kreatinin, Cholesterin, Triglyceride und evtl. der Leberwerte bei bestimmten Fragestellungen. Bei Beschwerden oder klinischen Auffälligkeiten wird eine frühere Diagnostik eingeleitet.
Das Problem ist, dass die meisten Patienten keine klinischen Symptome zeigen, sowohl bei der einen wie der anderen Krankheit. Oft wird die Erkrankung durch die Laboruntersuchung erst gefunden, diese sollte alle ein bis zwei Jahre durchgeführt werden.

Die Kosten bei Kassenpatienten (wird von der Kasse getragen) für die Zöliakie (Labor) belaufen sich auf ca. 26 EUR, wenn die Untersuchung negativ ist. Bei positivem Befund kommen noch für die Titerbestimmung ca. 11 EUR dazu, also ca. 37 EUR insgesamt.
Die Kosten für die Schilddrüsenwerte und die Schilddrüsenantikörper belaufen sich auf ca. 29 EUR pro Untersuchung.

Ammerkung vom Insuliner

Wenn sich jemand mit Kombinationserkrankung beim Insuliner meldet, wird er/sie in die dort vorhandene Liste aufgenommen und kann Anschriften der jeweil gleich oder ähnlich Betroffenen erhalten. Neben Zöliakie und Schilddrüsenerkrankungen berichtet die Herausgeberin des Insuliner, Frau Anneliese Kuhn, gäbe es auch noch oft eine Kombination mit Rheuma.  Auch eine Reihe seltenerer Verknüpfungen seien bekannt - einfach nachfragen.

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30.09.2006

TEDDY - Risikoscreening nach Geburt

Teddy-Germany Logo

TEDDY - eine internationale Studie zur Erforschung der Ursachen des Typ 1 Diabetes soll herausfinden, wie man die Krankheit verhindern bzw. heilen kann. Zielgruppe sind Kinder von Typ 1 Diabetikern und zwar erfolgt die erste Blutuntersuchung aus einer Probe, die bei der Geburt genommen wird oder bis spätestens drei Monate danach.

In Deutschland wird die Studie unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Anette-G. Ziegler am Institut für Diabetesforschung in München durchgeführt. Neben dem Münchner Zentrum sind fünf weitere Forschungszentren in Schweden, Finnland und den USA an der Studie beteiligt.
Informationen über den Hintergrund, den Ablauf des Screenigs, Datenschutz und Teilnahmevoraussetzungen erhalten Sie ebenso wie die Antwort auf die Frage, wass passiert, wenn der Test positv ist über die eMail Teddy Germany der Uni München.
Klar, dass alle Untersuchungen kostenlos sind.

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09.07.2006

Leistungssport und Diabetes - Ausdauersport

Foto Radsport

Simon Strobel - Speedskater und Diabetiker.  Simon hat  im Juni 2006 sein Abitur am Schweinfurter Alexander-von-Humboldt-Gymnasium abgelegt und beabsichtigt ein Medizinstudium aufzunehmen. In seiner Facharbeit im Leistungskurs Sport befasst er sich mit Leistungssport und Diabetes - dargestellt an einer Ausdauersportart. Seit Jahren macht Simon immer wieder von sich reden, wenn er an Speedskating-Meisterschaften teilnimmt, weil er als Junior auch gut in der Spitze der allgemeinen Klasse mithält.

Die vollständige Facharbeit als pdf-Dokument finden Sie hier.

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22.06.2006

Wie schütze ich meine Nieren bei Diabetes mellitus

Foto Dr. med. Roland Blum

(Dr. med. Roland Blum)

Die Funktionen der Nieren im Körper. Wie schütze ich meine Nieren beim Vorhandensein eines Diabetes mellitus?

Zusammen mit der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt veranstaltete unsere SHG den jährlichen Fortbildungsabend, diesmal zum Thema Diabetes und Niere.

Dr. Roland Blum besetzte 1997 den nephrologisch gesehen Weißen Fleck in Bad Neustadt und mietete sich im Rhönklinikum ein, wo er eine eigenstündige Praxis betreibt. Der eine Schwerpunkt ist die Diabetologische Schwerpunktpraxis, das zweite Standbein ist die Nephrologie mit Dialyse.

Aufgaben des "Multitalents Niere"
Anhand der vielfältigen Aufgaben der Niere verdeutlicht Dr. Blum die Wichtigkeit dieses Organs, das etwa mit dem Auge gleichgesetzt werden kann.
Außer für den Knochen- und Vitaminstoffwechsel sei die Niere für die Blutbildung verantwortlich, regle den Blutdruck sorge für den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt. Darüber hinaus entgifteten die beiden Nieren den gesamten Körper stetig von wasserlöslichen Schadstoffen, die durch den Stoffwechsel des Lebens entstünden.

Nephropathie
Dr. Blum stellt zunächst die Stadien der Nephropathie vor. Er be-schreibt fünf Stadien, wobei ab dem III. Stadium die Frühdiagnostik ein-setze. Ab 20 mg/l Eiweiß teste er drei Mal den klaren Morgenurin, bevor er eine Mikroalbuminurie diagnostiziere. Ab 200 bis 300 mg/l spreche man von einer Makroalbuminurie (IV. Stadium), die nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht mehr rückgängig zu machen sei.

Er erläutert wichtige Einflussfaktoren auf den Nephropathieverlauf.

Genetische Askpekte:
Nur etwa 1/3 der sechs Millionen Patienten mit Diabetes mellitus entwickelten jemals eine diabetische Nephropathie. Dies gelte sowohl für Typ 1- als auch für Typ 2-Diabetes. Es gebe eine familiäre Häufung und die diabetische Nephropathie trete gehäuft nach Ablauf von 10 Jahren auf.

Stoffwechseleinstellung:
Das Auftreten von Hyperglykämien sei die unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung einer diabetischen Nephropathie, so Dr. Blum.
Der Güte der Stoffwechseleinstellung komme daher eine Schlüsselrolle für die Entwicklung einer Nephropathie zu.

Blutdruck:
80% der Bevölkerung entwickelten im Laufe ihres Lebens eine Hypertonie. Auch der Blutdruck gehöre zu den wesentlichen Progressionsfaktoren der diabet. Nephropathie.

Eiweißaufnahme:
Eine höhere Eiweißaufnahme (Fleisch, Eiweißdrinks) ziehe in der Regel ei-ne höhere Albuminausscheidung im Urin nach sich. Es bestehe auch eine Beziehung zwischen der Eiweißzufuhr und dem Auftreten von Nierenerkrankungen. Eine Reduktion der Eiweißzufuhr beeinflusse den Nierenfunk-tionsverlust also günstig.

Rauchen:
Rauchen schädige die Filter in der Niere. Die Entwicklung einer Proteinurie bei Rauchern sei 2 -2,5 mal höher als bei Nichtrauchern, so Dr. Blum.

Fettstoffwechselstörung:
Mit Auftreten einer Mikro-(20-200 mg/l) oder Makroalbuminurie (über 200 mg/l) komme es insbesondere beim Typ 2 Diabetiker zu einer Dyslipopro-teinämie, d.h.: Anstieg von Triglyceriden u. LDL-Cholesterins u. Abnahme des HDL-Cholesterins.

Frühdiagnose der diabetischen Nephropathie

Ein Verdacht auf eine diabetische Nephropathie liege vor, wenn bei einem Diabetiker in zwei von drei Morgenurinproben (im Abstand von etwa zwei bis vier Wochen) mehr als 20 mg Albumin nachgewiesen würden.

Zunächst müsse aber ausgeschlossen werden, dass die Eiweißausscheidung andere Ursachen habe. Dr. Blum spricht Faktoren an, die die Albu-minausscheidung ebenfalls verursachen können bzw. kurzfristig steigen lassen. Für Kinder und Jugendliche kömen insbesondere körperliche Aktivität, ein Hanrwegsinfekt, Fieber oder ein operativer Eingriff in Betracht. Auch andere nichtdiabetische Ursachen müssten ausgeschlossen werden, um die Diagnose zu sichern.

Außerdem sei die Kreatininclearance zu bestimmen, d.h. die Filterfunktion der Nieren werde anhand der Kreatininausscheidung überprüft; dazu sei es erforderlich die Werte aus dem 24-Stunden-Urin und dem Blutplasma zu begutachten (Anmerkung:  Kreatinin ist die Ausscheidungsform von Kreatin, das sich als Energiereserve im Muskel befindet. Kreatinin wird über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden).
Zusätzlich werde das Urinsediment untersucht und eine Sonographie durchgeführt.

Strategien zur Vermeidung einer diabetischen Nephropathie

Grundsätzlich führe, so Dr. Blum, eine gute Stoffwechselführung zu einem verminderten Auftreten einer Mikro- oder Makroproteinurie.
Dabei sei die ICT (Anmerkung: intensivierte konventionelle Therapie) der CT (Anmerkung: konventionellen Therapie) überlegen.
Eine normnahe Stoffwechselführung verhindere oder verlangsame zumindest das Fortschreiten der Nephropathie. Meist müsse ein intensiviertes mulitfaktorelles Behandlungskonzept durchgeführt werden.

Orale Antidiabetika:
Biguanide (Metformin) seien bei der Niereninsuffizienz grundsätzlich kontraindiziert (Anmerkung: dürfen also nicht mehr genommen werden).
Sulfonylharnstoffe müssten in der Dosis reduziert oder ganz abgesetzt werden. Ausnahmen seien Glurenorm oder Novonorm, da diese überwiegend in der Leber abgebaut würden.
Actoseinnahme sei auch bei Niereninsuffizienz möglich.

Insulin:
Bei der Insulintherapie sei es sinnvoll, kurzwirksame Insuline zu bevorzugen, da diese besser zu steuern seien. Die Insulindosis müsse reduziert werden. Wenn immer möglich, sei auf eine intensivierte Insulintherapie umzustellen.

Einsatz von ACE-Hemmern:
Der frühe  Einsatz einer ACE-Hemmer-Therapie führe vor allem bei Patien-ten mit positiver  Familienanamnese, Rauchern, schlechter Stoffwechseleinstellung, und hohen Lipidwerten zu einer Reduktion des Auftretens einer Mikroalbuminurie. Der ACE-Hemmer sei dem β-Blocker überlegen.

Blutdruck:
Eine Senkung des Blutdrucks möglichst auf 120/80 mm Hg sei anzustreben, so Dr. Blum. Er empfehle bei Typ 1-Diabetes: ACE-Hemmer, bei Unverträglichkeit AT1-Blocker - allein oder mit Diuretikum. Bei Typ 2 -Diabetes empfehle er: ACE-Hemmer oder AT1-Blocker allein oder in Kombination mit Diuretika.

Eiweißaufnahme:
Eine Eiweißaufnahme von 0,8 g/kg Körpergewicht/Tag bei erhöhter Albuminausscheidung werde empfohlen, so Dr. Blum, tatsächlich würden durchschnittlich aber 1,5 g/kg aufgenommen. Die Eiweißzufuhr sollte 50% tierische und 50% pflanzliche Eiweiße enthalten.

Fettaufnahme:
Ein Ersatz der gesättigten Fettsäuren durch einfach ungesättigte Fettsäuren erscheine günstig hinsichtlich des Verlaufes der Nephropathie, so Dr. Blum.

Kochsalzzufuhr:
Die Kochsalzzufuhr sollte beim Diabetiker mit erhöhter Albumin-Ausscheidungsrate  5 g / Tag nicht überschreiten. Dr. Blum empfiehlt deshalb auf das Zusalzen der Speisen zu verzichten und stark salzhaltige Produkte wie Salzgebäck, gesalzene Nüsse, Konserven u. rohen Schinken etc. nicht zu verzehren.

Prophylaxe:
Dr. Blum fasst zusammen, dass eine gute Stoffwechseleinstellung absolut lebensverlängernd sei. Die beste Prophylaxe sei gegeben bei

  • Normoglykämischer BZ-Einstellung
  • Normotoner Blutdruckeinstellung
  • Keinem Nikotinabusus
  • Gesunder, ausgewogener Ernährung
  • Kochsalzeinsparung
  • Einhaltung der empfohlenen Kontrollen

Diskussion und Fragen:

Trinkmenge?
Auf Frage erwidert Dr. Blum, 2 bis 2,5 Liter, bei Hitze mehr, sollten pro Tag getrunken werden. Die Kinder hätten aber ein natürliches Verhältnis zum Trinken, sie würden sich schon die benötigte Menge holen. Erst im Alter neige der Mensch dazu, zu wenig zu trinken. Er empfehle Wasser oder ungesüßte Tees, ungeeignet seien Cola oder Limo.

Nephropathie reversibel?
Die organischen Veränderungen bei einer Mikro-Albuminurie könnten wie-der vollständig rückbebildet werden und ausheilen. Oft sei das aber nur in Verbindung mit der Einnahme von ACE-Hemmern (Anmerkung: senken den Blutdruck) möglich.
Eine Makro-Albuminurie sei nicht reversibel, das Tempo des Fortschreitens könne aber u.U. beeinflusst werden. Derzeit liefen neue Forschungen, Ergebnisse gebe es noch keine.
Bei einer diagnostizierten Makro-Albuminurie könne eine Prognose gestellt werden, wann der Zeitpunkt für die Dialyse kommen werde. Dazu seien vier Messpunkte innerhalb von 12 Monaten erforderlich.

Das ausführliche Protokoll des Vortrags findet ihr hier als pdf-Dokument.

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19.01.2006

Insulin

Foto Dr. Reinhard Koch

(Dr. Reinhard Koch)

Verschiedene Insulinpräparate - unterschiedliche Wirkung

Dr. Reinhard Koch, Diabetologe DDG und Oberarzt in der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina-Krankenhauses Schweinfurt sprach im Rahmen unseres ersten Treffs im neuen Jahr im St. Kilian Pfarrzentrum Schweinfurt über Insulin.

Dr. Koch führte Grundsätzliches zur Notwendigkeit und Wirkung von Insulin aus. Er ging auf die unterschiedlichen industriell hergestellten Insulinarten und ihre unterschiedliche Wirkung ein. Er stellte dabei Vor- und Nachteile heraus und unterstrich, dass es bei der Behandlung des Diabetes mellitus schwer sei pauschale Aussagen zur richtigen Therapie zu treffen. Die Variabilität der Insulinresorption von Normal- und NPH-Insulinen bei ein und demselben Patienten betrage 25 Prozent, so Dr. Koch. Bei unterschiedlichen Patienten betrage die Schwankung der Insulinresorption gar 50 Prozent. Die Variabilität sei bei NPH-Insulinen stärker. Diese Variabilität erschwere die Planung und das Verständnis der Patienten für den Insulinbedarf.
Bei der Insulintherapie sei die Insulindosis von der Diabetesphase, von den individuellen Lebensumständen und von Komplikationen (wie z.B. Ketoazidose) abhängig.

Für eine gute Insulintherapie seien in der Regel Normal- und NPH-Insuline ausreichend. Welche Therapie geeignet sei, werde von Arzt, Eltern und Patient gemeinsam entschieden.

Zusammengefasst konstatiert Dr. Koch, die Diabetesbehandlung sei eine komplexe, von vielen Variablen beeinflusste Therapie.

Den kompletten Vortrag finden Sie hier im pdf-Format.

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21.09.2005

Diabetische Ketoazidose

Foto zum Vortrag "Diabetische Ketoazidose"

Vortrag am 02.08.05, Vargän, Schweden
(Dr. med. Reinhard Koch, Diabetologe DDG, Oberarzt in der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina KH Schweinfurt)

Dr. med. Reinhard Koch referiert im Rahmen der Schulungsfreizeit der SHG diabetischer Kinder und Jugendlicher am 02.08.05 im Vandrerhem in Vargän/Mittelschweden zum Thema "Diabetische Ketoazidose".

Kennzeichen einer guten diabetologischen Langzeiteinstellung seien, so Dr. Koch:

  • ein mittlerer Blutzuckerwert um 150 mg%,
  • ein HbA1c-Wert zwischen 6% und 8%,
  • möglichst keine schwere Hypoglykämie und
  • möglichst keine ketoazidotische Stoffwechselentgleisung.


Ursachen einer Ketoazidose könnten sein:

  • Infektionserkrankungen,
  • eine schlechte Stoffwechselführung,
  • keine feste Regeln wie
  • - BE abschätzen,
    - BE-Faktor,
    - Korrekturfaktor,
    - regelmäßige Blutzuckerkontrollen,
    - keine Langzeitkontrollen,
  • unbewusste Fehler in der Therapie oder
  • defekte Geräte (Pen, BZ-Messgerät, Insulinpumpen.

Definition der Ketoazidose

  • hohe Blutzuckerwerte - über 250 mg%
  • Übersäuerung - pH-Wert unter 7,3
  • Acetonurie
  • Flüssigkeits- und Salzverlust

Die Ketoazidose sei auch heute noch häufig die Todesursache bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1 Diabetes.

Zusammenfassung:

Eine ketoazidotische Entgleisung ist ein schweres Krankheitsbild mit der Gefahr zu sterben (etwa jeder 400ste).

  • Eine Ketoazidose ist vermeidbar bzw. frühzeitig behandelbar.
  • Erkennungs- und Behandlungsstrategien wurden oben vorgestellt.
  • Der Prävention kommt eine entscheidende Bedeutung zu

Der vollständige Protokoll im pdf-Format mit Erläuterungen zur Entstehung einer Ketoazidose und mit Behandlungsstrategien finden Sie hier.

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09.06.2005

Diabetes und Essstörungen

Foto: Frau Prof. Dr. med. Martina de Zwaan

(Vortrag von Prof. Dr. med. Martina de Zwaan, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen)

Im Rahmen der jährlichen Fortbildungsveranstaltung unserer SHG seit mit der Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses referierte Frau Professorin Dr. med. Martina de Zwaan, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, zum Thema.

Häufigkeit
Bulimie nervorsa (BN od. Ess-Brech-Sucht) und
Anorexia nervosa (AN od. Magersucht) seien beides lang dauernde Erkrankungen, die vor allem beim Erwachsenwerden und im jungen Erwachsenenalter auftreten. Es seien fast ausschließlich Mädchen und junge Frauen betroffen, wobei die Häufigkeit in dieser Altersgruppe bei AN 0,3% und bei der BN bei 1% läge.

Von Anorexia nervosa spreche man, so de Zwaan, bei

  • Untergewicht (BMI < 17,5 kg/m2),
  • starker Angst vor Gewichtszunahme,
  • einer Körperschemastörung und
  • Ausbleiben der Monatsblutung


Bei einer Bulimia nervosa beobachte man

  • wiederholte Essanfälle (mehrmals pro Woche) mit
  • kompensatorischen Verhaltensweisen (Sport, aber auch Abführmittel, Erbrechen usw.).
  • Die Selbstbewertung werde übermäßig stark von Gewicht und Figur abhängig gemacht.
  • Bulimie werde oft lange verheimlicht und die Angehörigen merkten es meist nicht.

Diabetes mellitus Typ I und Essstörungen

Bulimie trete bei Diabetikerinnen drei mal häufiger als auf, denn eine chronische Erkrankung könne während der Phase der Persönlichkeitsentwicklung einen gewissen Einfluss auf das Selbstwertgefühl haben. Außerdem stellten körperliche Erkrankungen, die eine Kontrolle der Nahrungsaufnahme erforderten, Risikofaktoren für die Entstehung einer Essstörung dar, so de Zwaan.

Spezifische Verhaltensweisen
Eine diabetes-spezifische kompensatorische Methode sei das "insulin-purging", so die Referentin. Hierbei werde Insulin absichtlich unterdosiert oder gar weggelassen, um eine Glukosurie, Kalorienverlust und damit eine Gewichtsabnahme zu erreichen.

Oft gehe mit einer Essstörung einher, dass die HbA1c-Werte erhöht seien. Auch gehäuftes Auftreten von Ketoazidosen oder frühes Auf-treten diabetesbedingter Langzeitkomplikatio-nen könnten Anzeichen für eine vorliegende Essstörung sein.

Langzeitfolgen?
Frau de Zwaan bezeichnet das Risiko für die Entwicklung einer Retinopathie bei Diabetikerinnen mit einer Essstörung um den Faktor 5 erhöht. Auch die Lebenserwartung sei nicht so hoch wie bei Diabetikerinnen ohne Essstörung.
Sowohl Diabetes als auch Essstörungen gingen mit einer hohen Depressionsrate einher.

Therapie
Eine Therapie, wenn auch nur ambulant, empfiehlt Frau de Zwaan schon bei subsyndromalen Essstörungen, daneben auch die Einbeziehung der Eltern. Außerdem rät sie, ExpertInnen zuzuziehen.
Die Therapie bei Bulimie ziele während der stationären Behandlung nicht auf Abnehmen, sondern diene der Steigerung des Selbstwertgefühls: "Ich definiere mein Selbstwertgefühl nicht nur über meine Figur!"

Fragen an die Referentin:
Frau de Zwaan beantwortet Dr. Kochs Frage nach Folgen der Überbehütung dahingehend, dass lange Kontrolle der Nahrungsaufnahme durch die Eltern ein Risikofaktor sei, wie alles akribische Verhalten der Eltern. Das Loslassen sei ganz wichtig für die gesunde Entwicklung der Kinder und zur Steigerung des Selbstvertrauens. Überbehütung könne zu allen möglichen psychischen Erkrankungen geben.

Wie behandelt man Patienten mit einer Essstörung?
Im ambulanten Bereich sei es wichtig die Einsicht zu wecken. Denn wenn ein Erfolg eintreten soll, dann bedürfe es der Motivation des Patienten und seiner Kooperation. Eine ambulante Psychotherapie mit wöchentlichen Terminen soll dem Patienten helfen, die Essstörung zu überwinden.

Wie muss man sich eine stationäre Therapie vorstellen?
Es gehe bei der Therapie darum die Eigenverantwortung zu stärken. Man arbeite insbesondere bei Magersüchtigen mit Vertrügen.
Grundsätzlich gebe es einen essstörungsspezifischen Teil, z.B. um die Angst vor Nahrungsaufnahme zu verlieren, durchaus mit "betreutem Essen".
Im essstörungsunspezifischen Teil gehe es darum, herauszuarbeiten, warum sich diese Störung entwickelt hat.
Non-verbale Therapieverfahren seien z.B. Malen
oder Bewegungstherapie.
Auf Frage ergänzt Prof. de Zwaan, die Unterbrechung der Bulimie während der Therapie brächte nichts, wenn die stationäre Therapie nicht nahtlos in eine ambulante Nachsorge übergehe.

Wie sind die Erfolgsquoten?
Bei Bulimie gebe es eine recht gute Erfolgsquote. Schwere Magersucht hingegen sei eine sehr ernste Erkrankung. Je dünner jemand sei bevor er in Behandlung komme oder je länger die Krankheit bereits bestände, desto schlechter seien die Erfolgaussichten. Deshalb müssten bereits die Kinder therapiert werden, dann seien die Erfolgsquoten größer.

Das vollständige Protokoll im pdf-Format finden Sie hier.

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05.04.2005

Diabetes - Behandlungsmöglichkeiten früher und heute

Lisa Mohr geht in ihrer Facharbeit zunächst auf die Geschichte des Diabetes ein. Weiterhin stellt sie die Ursachen des Typ-I-Diabetes und physische Probleme dar, die bei Diabetikern auftreten. Außerdem zeigt sie wesentliche Unterschiede zum Typ-II-Diabetes auf. Die Beschreibung verschiedener aktueller Therapieformen und zukünftiger Behandlungsmöglichkeiten, die Diabetikern ein vollkommen normales Leben ermöglichen könnten, stellt den Hauptteil der Arbeit dar. Abschließend geht sie auf die Veränderungen des Blutzuckerspiegels in unterschiedlichen Belastungssituationen ein.

Die vollständige Facharbeit als pdf-Dokument finden Sie hier.

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10.03.2005

Alkohol und Diabetes

Foto: Dr. Reinhard Koch trägt vor

(Dr. Reinhard Koch)

Dr. Reinhard Koch, Kinderarzt und Diabetologe DDG, berichtet zu Beginn seines Vortrages darüber, dass er mindestens zwei Fälle pro Woche verzeichnen müsse, bei denen Kinder oder Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik für Kinder und Jugendliche des Leopoldina Krankenhauses eingeliefert würden. Deshalb beschäftige er sich in seinem Vortrag nicht nur mit Alkohol und Diabetes, sondern auch mit den Gefahren des Alkohols allgemein und mit dem Suchtpotential.

Ein vollständiges Protokoll von dem Vortrag als pdf-Dokument finden Sie hier.

Hier die "Kurzfassung":

1. Allgemeine Betrachtungen zum Alkohol

Alkohol werde vollständig über den Magen und Dünndarm aufgenommen. Maximal 10 Prozent des aufgenommenen Alkohols würden unverändert über Lunge, Nieren und Haut ausgeschieden. Bereits im Magen komme es zu einem ersten Abbau des Alkohols (bis zu 20 Prozent, abhängig von der Nahrungsaufnahme), aber insbesondere in der Leber erfolge dann der wesentliche Abbau durch ver-schiedene Enzymsysteme.

Es gebe Geschlechtsunterschiede, so Dr. Koch. Frauen hätten bei gleicher Alkoholaufnahme höhere Blutalkoholspiegel als Männer. Dr. Koch hält bei Männern maximal 30 g Alkohol pro Tag, bei Frauen etwa die Hälfte für unbedenklich. 30 g Alkohol entsprächen z.B. ca. 0,6 l Bier (5%), ca. 0,3 l Wein (10%) oder ca. 0,075 l Schnaps (40%).

Die Dosis mache das Gift. So würden bei Missbrauch ausnahmslos alle Organe geschädigt. Dr. Koch gibt Beispiele wie Krebs im Rachen und Enddarm, Fettleber, Schädigung der Bauchspeicheldrüse (alkoholbedingter Diabetes), Herz-rhythmusstörungen, Bluthochdruck und neurologische Erkrankungen. Auch werde bei ca. 2200 Kindern im Jahr eine Alkoholembryopathie diagnostiziert, also eine geistige Behinderung aufgrund Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft.

In Deutschland, so Dr. Koch, seien ca. 3 Prozent der Menschen, d.h. 2,5 Millionen alkoholabhängig. Männer seien davon fünf mal häufiger betroffen als Frauen. Je jünger der erste Vollrausch erlebt werde, desto höher sei die Wahr-scheinlichkeit alkoholkrank zu werden. Sei ein Elternteil suchtkrank, erhöhe sich das Risiko für das Kind ein Alkoholproblem zu entwickeln um das 20fache.
Die tödliche Dosis für Erwachsene betrage etwa 6-8 g pro kg Körpergewicht. Die tödliche Blutalkoholkonzentration läge zwischen 3 und 5 Promille. Kinder vertrügen Alkohol schlechter als Erwachsene, so läge die tödliche Dosis bei Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren und einem Gewicht von 15 bis 20 kg bei ca. 30 Gramm.

Pro Jahr sterben in Deutschland ca. 40.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums (ohne Verkehrsunfälle). Bei Verkehrsunfällen sterben jährlich ca. 8.000 Menschen, bei ca. 1.500 Unfällen ist Alkohol unfallursächlich.
Die Kosten für die Behandlung von Krankheiten, die auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen seien, betrügen in Deutschland ca. 40 Milliarden Euro, so Dr. Koch.

Alkohol beeinflusse den Stoffwechsel. Alkohol hemme auch beim Gesunden den Zuckernachschub aus der Leber. Besonders bei Patienten, deren Zuckerspei-cher aufgrund von Hunger und/oder Sport bereits erschöpft seien oder bei Alkoholkranken mit fortgeschrittenen Leberschäden mit reduziertem Zuckerspeicher könnten diese Stoffwechselvorgänge bei akuter Alkoholvergiftung zu schweren, manchmal tödlichen Unterzuckerungen führen.
Alkohol sei ein hoher Energieträger, so Dr. Koch, ein Gramm entspräche 7,1 kcal (oder 29,3 kJ). Alkohol hemme die Fettverbrennung, weil Alkohol zuerst abge-baut werde. Bei mäßigem Alkoholgenuss würden die zusätzlich aufgenommenen Nahrungsmittel als Fett gespeichert, dies begünstige die Gewichtszunahme bei mäßigem Alkoholgenuss.
Eine primäre Mangelernährung entstehe aufgrund des hohen Energiegehalts des Alkohols bei fehlenden sonstigen Nahrungsbestandteilen (leere Kalorien) wie Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Vitamine u.a. Eine sekundäre Mangelernährung fuße auf den alkoholbedingten, krankhaften Veränderungen des Magendarmtraktes, die eine normale Andauung und Aufnahme der notwendigen Nahrungsbestandteile mehr oder weniger beeinträchtigten.

2. Alkohol und Diabetes

Grundsätzliches
Alkohol hemme den Prozess der Blutzuckerfreisetzung in der Leber. Der Typ-1 Diabetiker hätte zusätzlich unregelmäßige, teils hohe Insulinspiegel durch Injek-tionen, was Hypoglykämien begünstige.
Beim Typ-2 Diabetiker verstärke Alkohol die Insulinwirkung, so dass auch bei ihm die Hypoglykämiegefahr größer werde.

Akuter und chronischer Alkoholkonsum
Beim Typ-1 Diabetiker erhöhe akuter Alkoholkonsum die Hypoglykämieneigung bis zum Schock und chronischer Alkoholkonsum bringe den Diabetiker in die Gefahr einer alkoholassoziierten Ketoazidose, wohl wegen des höheren Blutfettspiegels und des erhöhten Fettabbaus in dieser Phase.
Beim Typ-2 Diabetiker führe akuter Alkoholgenuss auf nüchternen Magen zu Hypoglykämien, unmittelbar nach dem Essen zu erhöhten Blutzuckerwerten. Chronischer Alkoholkonsum führe zur verstärkten Unterzuckerungsneigung, zu Übergewicht, erhöhten Blutfettwerten und erhöhter Insulinempfindlichkeit.
Bei allen Diabetikern führe übermäßiger chronischer Alkoholkonsum zur schlech-ten Steuerbarkeit der Therapie, direkt zur Zunahme der proliferativen und exsudativen Retinopathie und indirekt über Adipositas, schlechtere Blutfettwerte und Hypertonie zur Erhöhung der diabetischen Spätkomplikationen.

Gestörte Hypoglykämiewahrnehmung unter Alkohol
Die klinischen Symptome der Hypoglykämie seien sehr variabel, so Koch. Jedes zentralnervöse Krankheitsbild könne eine Hypoglykämie bedeuten. Alkohol beeinträchtige das Zentralnervensystem. So nehme ein alkoholisierter Patient die drohende oder bereits eingetretene Hypoglykämie nicht mehr ausreichend wahr. Dies gelte besonders für Diabetiker.

Schlimme Folgen
Alkohol verlängere die Unterzuckerung durch Hemmung der Zuckerneubildung in der Leber. Je höher der Alkoholkonsum, desto länger bestehe die Hemmung, d.h. auch Stunden nach starkem Alkoholkonsum könnten Hypoglykämien auftreten. Je weniger zum Alkohol gegessen werde, desto größer sei die Gefahr der Unter-zuckerung - dabei beeinträchtigten natürlich Hunger, Sport oder Vorschädigungen der Leber die Zuckerbevorratung.

Alkoholika - kohlenhydratreich oder -arm
Bier enthalte ca. 4-5g Zuckerstoffe (Dextrine und Maltose) pro 100 ml, Wein ca. 0,5-1,5 g pro 100 ml (zur Hälfte Fruktose).
Ein Glas Wein (250 ml) erhöhe den Blutzucker -(Anmerkung: zunächst)- um ca. 20 mg/dl, ein Glas Bier (500 ml) sogar um ca. 50 mg/dl.
Diätbier sei kohlenhydratreduziert und eine "Halbe" senke den Blutzucker um ca. 20 mg/dl in sechs Stunden. Bei Diabetikerwein (250 ml) mit ähnlich hohem Alkoholgehalt dürfte eine ähnliche Blutzuckersenkung zu erwarten sein, so Koch.

Praktischer Umgang mit Alkohol bei Diabetes
Der Genuss kleinerer Mengen kohlenhydrathaltiger Alkoholika wie Bier oder Wein verursache weniger Hypoglykämien als sogenannte Diabetikeralkoholika. Der Kohlenhydratanteil solle toleriert und nicht mit Insulin abgedeckt werden, um Hypoglykämien zu vermeiden.
Die Alkoholmenge solle wie bei allen anderen Menschen auf ein alkoholisches Getränk pro Tag, ein Glas Wein oder ein Glas Bier, beschränkt werden.
Wegen der prinzipiellen Unterzuckerungsgefahr solle Alkohol nur mit kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln konsumiert werden. Nüchtern oder nach stärkeren körperlichen Anstrengungen gelte dies noch viel mehr.

Dr. Koch fasst zusammen:

  • Eine tägliche Alkoholaufnahme von mehr als 30 Gramm bei Männern bzw. mehr als 15 Gramm bei Frauen sei gesundheitsschädlich.
  • Alkohol könne Unterzuckerungen auslösen. Je mehr Alkohol konsumiert werde, desto größer sei die Gefahr.
  • Kohlenhydrathaltige Alkoholika seien gegenüber sogenannten Diabetikeralkoholika zu bevorzugen.
  • Man solle zu und nach Alkoholkonsum kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel essen.
  • Häufigere Blutzuckermessungen seien während des Alkoholkonsums, aber auch noch am Tag danach zu empfehlen.
  • übermäßiger Alkoholkonsum führe zur Zunahme der diabetischen Spätkomplikationen.
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08.10.2003

Interview mit Dr. med. J. Müller

Foto: Interview mit Dr. med. J. Müller

(Julia Lenhart)

Im Oktober 2003 hatte ich die Gelegenheit den Internisten und Gastroenterologen Dr. med. Joachim Müller in seiner Praxis in der Schultestr.15 in Schweinfurt zu besuchen.

Sein Medizinstudium absolvierte er in Würzburg. Das Interesse für die Diabetologie wurde zunächst in der Stoffwechselklinik Bad Mergentheim geweckt, in der er als Assistenzarzt tätig war. Im Anschluss daran arbeitet Dr. Müller auf der Inneren im Leopoldina Krankenhaus Schweinfurt und ließ sich zum Diabetologen ausbilden. Er war u.a maßgeblich am Aufbau des Diabeteszentrums beteiligt.

Nachdem Dr. Müller 15 Jahre im Leopopdina Krankenhaus praktiziert hatte, eröffnete er am 01.04.2002 zusammen mit zwei Kollegen eine Gemeinschaftspraxis mit dem Namen "Ambulanzzentrum". Kennzeichnend für ihre Praxis sind die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten: neben der Diabetologie liegen weitere Schwerpunkte auf der Gastroenterologie, der Hämatologie, der Onkologie und der Nuklearmedizin. Sie sind somit die größte internistische Praxis in Schweinfurt.

Pro Ouartal betreut das Ärzteteam ca. 100-150 Diabetiker, unterstützt werden sie dabei von zwei Diabetesassistentinnen. Jeder Diabetiker benötigt eine Überweisung von seinem behandelnden Hausarzt, denn nur so ist eine optimale Zusammenarbeit zwischen Diabetologen und Hausarzt möglich.

Bei der Behandlung von Diabetikern legt Dr. Müller großen Wert auf ein individuell auf den Patienten abgestimmtes Therapiekonzept und eine gute Schulung, damit der Diabetiker selbst seine Krankheit im "Griff" hat und nicht der Diabetes den Patienten.

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01.06.2003

Zelltherapeutische Strategien

Im Deutschen Ärzteblatt, Jg. 100, Heft 23, 6. Juni 2003, veröffentlichten Günther Päth und Jochen Seufert (Priv.-Doz. Dr. med. Jochen Seufert von der Medizinischen Poliklinik der Uni Würzburg) einen Artikel "Zelltherapeutische Strategien für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 1", von der Inseltransplantation zur Stammzellentherapie.

Typ-1-Diabetiker sind nach der autoimmunen Zerstörung der Insulin produzierenden β-Zellen in der körpereigenen Bauchspeicheldrüse lebenslang auf die Substitution mit Insulin angewiesen. Trotz moderner Therapieformen gelingt eine kontinuierliche Kontrolle des Blutzuckers nur bedingt. Eine klinisch eingeführte Alternative ist die Transplantation von menschlichen Langerhans-Inseln, die aber durch die geringe Verfügbarkeit von humanem Spendermaterial begrenzt ist.

Bei der intensiven Suche nach neuen Quellen für β-Zellen sind Langerhans-Inseln von Schweinen und humane Stammzellen in den Blick des wissenschaftlichen Interesses gerückt. Vor diesem Hintergrund erläutern die Autoren den aktuellen Stand der Forschung und präsentieren eine neue Strategie, die es ermöglichen soll, aus adulten Stammzellen des endokrinen Pankreas unbegrenzte Mengen von Insulin produzierenden Zellen für die β-Zell-Ersatztherapie zu gewinnen.

Das heißt, laienhaft ausgedrückt, in der Zukunft wird es vielleicht möglich sein, aus der Bauchspeicheldrüse Zellen zu entnehmen, sie im Labor zu vermehren und sie in insulinproduzierende Zellen umzuwandeln. Im Labor könnten diese Zellen auch so gezüchtet werden, dass sie auf den Empfänger zugeschnitten sind, also transplantationsbedingte und autoimmunologische Probleme nicht auftreten werden.

Möglicherweise bedeutet dann in einigen Jahren die Diagnose Typ-1-Diabetes für den Patienten nicht mehr lebenslang mit einer unheilbaren Krankheit behaftet zu sein.

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24.09.2002

Auf die richtige Nadel kommt es an

Vortrag im St.Kilian PfarrzentrumEinen interessanten Vortrag hielt am 24.September Frau Gabriele Heuß von der Fa.Beckton Dickinson im Rahmen unseres Gruppentreffs im St. Kilian Pfarrzentrum in Schweinfurt.

Neben Ernährung und Bewegung sei der richtige Einsatz des Insulins ein Hauptfaktor einer guten Diabetes-Therapie, so Frau Heuß. Die Injektion in die gehaltene Hautfalte sei der einzig sichereWeg, um eine intramuskuläre (in den Muskel) Injektion auszuschließen. Dann sei auch die Nadellänge (erhältlich von 5 bis 12,7 mm) irrelevant und das Insulin gelange in das Unterhautfett- gewebe.

Mit einer entsprechend kurzen Nadel könne man jedoch bei schlanken Diabetikern sicher ohne Hautfaltenbildung in das Gesäß spritzen, Normalgewichtige würden auch im Bauch nicht Gefahr laufen, das Muskelgewebe zutreffen, jedoch selbst übergewichte sollten sich nicht ohne Hautfaltenbildung in den Oberschenkel injizieren, da an dieser Stelle wenig Fettgewebe vorhanden sei.

Injektionswinkel ohne Hautfaltenbildung: 45°
Injektionswinkel ohne Hautfaltenbildung: 45°
Injektionswinkel mit Hautfaltenbildung: 90°
Injektionswinkel mit Hautfaltenbildung: 90°
Hautfaltenbildung erfolgt mit 3 Fingern...
Hautfaltenbildung erfolgt mit 3 Fingern...
ohne die Muskulatur anzuheben
ohne die Muskulatur anzuheben

Welches Insulin wohin?

Die Insulinwirkung werde beeinflusst, so Frau Heuß, durch:

  • Art und Menge des Insulins
  • Insulinkonzentration
  • Auswahl der Injektionsstelle
  • Durchblutung des Unterhautfettgewebes
  • Muskelbewegung
  • Injektion in verändertes Gewebe.

Die beste Stelle für schnelle Insuline sei der Bauch, langsame Insuline spritze man am besten in die Außenseite des Oberschenkels oder in das Gesäß, dort sei die Absorption (Aufnahme) langsamer. Die Absorption von Lantus sei laut einer Verlautbarung der Fa. Aventis von der Spritzstelle unabhängig, so Frau Heuß.

Durchblutung der Unterhaut und Muskelbewegung hätten einen großen Einfluss auf die Insulinwirkung: Massage des Injektionsbereiches, Erwärmung, heiße Bäder oder Sauna, sportliche Betätigung (Gehen und Laufen nach Oberschenkelinjektionen beschleunigen die Insulinwirkung bis um das 7-fache!). Keine Injektionen in verändertes Gewebe (Narben, Muttermale, Varizen, Lipodystrophien, Hämatome)!

Wie lange kann man die Nadeln verwenden?

Klar, dass Frau Heuß die Auffassung vertritt, man solle die Nadeln nur für eine Injektion verwenden. Klar, dass viele unserer Mitglieder aus Kostenbewusstsein oder vielleicht auch aus Bequemlichkeit ihre Kanülen mehrmals verwenden.

Die nachfolgenden Abbildungen sprechen gegen (mehrmalige) Wiederverwendung von Kanülen. Frau Heuß berichtet, es sei häufig zu beobachten, dass die äußerste Nadelspitze in Form eines Hakens gebogen wird. Die Deformation der Nadelspitze nehme bei mehrmaliger Wiederverwendung zu und könne zu teilweise unsichtbaren Hämatomen führen. Das Gewebe werde nicht verdrängt, sondern zerrissen (sog. kleinste Mikrotraumen). Lokale Wachstumsfaktoren würden deshalb ausgeschüttet und führten in Verbindung mit der anabolen (den Aufbaustoffwechsel fördernde) Wirkung des Insulins zu Lipohypertrophien (Verhärtungen und Knötchen im subcutanen Gewebe).

neue Nadel
neue Nadel
Nadel 3x verwendet
Nadel 3x verwendet
Nadel 6x verwendet
Nadel 6x verwendet

Ein Teufelskreis könne beim Spritzen in Lipohypertrophien entstehen, denn da dort die Injektion weniger schmerzhaft sei, werde die Stelle meist bevorzugt. Aber die Resorption von Insulin aus diesen Verhärtungen sei unberechenbar (bis zu 30% mehr Insulin erforderlich) und die Insulindosis müsse erhöht werden. Spritze man nun die höhere Dosis in gesundes Gewebe bestehe die Gefahr von Unterzuckerungen.

Noch ein paar Tipps:

Frau Heuß empfiehlt, die Nadeln nach der Injektion von der Insulinkartusche zu entfernen. Bleibe die Kanüle dran, entstünden Luftblasen und der Endpunkt bei Injektionen sei schwer zu bestimmen. Dann sei die Empfehlung der Hersteller, die Nadel ca. 10 Sekunden in der Einstichstelle zu lassen, unzureichend.

Auch solle man grundsätzlich vor der Injektion eine Einheit "abspritzen". Dann sei man sicher, dass die Kanüle richtig aufgesetzt worden bzw. dass die Nadel nicht verstopft ist. Die Lanzetten der Fa. BD passen in alle Stechhilfen (ausgen. Softclix von Roche).

Die Lanzetten anderer Hersteller hätten einen Durchmesser von 0,7 bis 0,4 mm. BD Lanzetten hätten den kleinsten Durchmesser von nur 0,2 mm. Frau Heuß: kleinere Wunde = weniger Schmerz.

Für Ärzte: Kennzeichnen Sie in der Verordnung Pen-Nadeln, Insulinspritzen, Lanzetten und Stechhilfen als Hilfsmittel, damit diese Produkte nicht zu Lasten Ihres Arzneimittelbudgets gehen.

Haftungsausschluss: Der Bericht gibt die Meinung der Referentin wieder und ersetzt im Hinblick auf die individuelle Beratung keinen Arztbesuch.

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28.11.2001

Interview mit Dr. med. Joachim Harlos

Foto: Interview mit Dr. med. Joachim Harlos

(Norbert Mohr)

Internistisch-nephrologische Praxis

Dr. Harlos ist mit einer Radiologin verheiratet, die sich zum Zeitpunkt des Interviews der Erziehung der beiden Kinder widmete. Studium und Ausbildung absolvierte der Unternehmer (18 Mitarbeiter!) in Würzburg.

Mit Frau Roßberg (Ökotrophologin) und Frau Schmitt (Diabetesberaterin DDG) beschäftigt er zwei erfahrene Diabetesfachkräfte.

Die Praxis und das Dialysezentrum bestehen seit Juli 1999, erzählt Dr. Harlos. Der Schwerpunkt der Praxistätigkeit läge in der Betreuung von Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen sowie von Systemerkrankungen mit Nierenbeteiligung. Darüber hinaus sei die Einrichtung von der Kassenärztlichen Vereinigung als Diabetologische Schwerpunktpraxis anerkannt. Im angeschlossenen Dialysezentrum würden Patienten mit chronischem Nierenversagen betreut. Ca. 40% seiner Dialysepatienten seien Typ-2 Diabetiker, Typ-1 Diabetiker seien nicht darunter.

<>Bei seiner Praxis handle es sich um eine "Terminpraxis", wobei natürlich Notfülle vorkommen. Pro Quartal betreue er etwa 150 Diabetiker, wobei die Diabetologie nur ein Standbein seines Konzeptes sei.

Dr. Harlos meint, stationäre Einstellungen nach Neumanifestation seien nur bei Problemfällen nötig.

Wer übrigens ohne Aufzeichnungen zur Besprechung käme, den schicke er wieder heim.

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